Archiv für den Monat: Januar 2017

Widerstand gegen den „Widerstand“ ? Teil 1

Es ist, wie es ist

Alle Ereignisse sind im Grunde neutral. Im Stau zu stehen – ist neutral. Düstere kalte Regentage – sind neutral. Wir haben jedoch eine Instanz in uns, die alles bewertet, die über alles richtet. Unser Verstand lebt in der Polarität von „gut“ und „schlecht“, in Vorstellungen, wie etwas „sein soll“ oder „nicht sein soll“. Geboren aus der Angst vor Verlust, aus der Angst vor der Vergänglichkeit, bemühen wir uns, das Leben zu manipulieren. Wir wehren uns gegen das, was ist. Aber genau das ist die Ursache unseres Unglücklichseins, die Ursache allen Leidens.

Es ist der Verstand, der in den Widerstand geht. Ohne den polarisierenden, wertenden  Verstand könnten wir in einem mentalen Zustand des Friedens sein.

Es hört sich einfach an: „Leiste keine Widerstand gegen das, was ist“. Oder anders ausgedrückt: „Lebe in Gottvertrauen darauf, dass alles richtig ist, was geschieht“.

Offene Türen im SonnenlichtJedoch fällt die Umsetzung dieser einfachen Weisheiten schwer, weil unser ganzes Denken, unser ganzes Sein durchdrungen ist von Widerstand. Statt den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen, wollen wir uns und die Welt nach unseren persönlichen Vorstellungen gestalten. „Leiste keine Widerstand“ ist ein Prozess, der bis in jede Faser hinein gelebt werden will. Man nennt es auch Demut oder Hingabe. Hat man diesen Punkt erreicht, kann es passieren: Das alte Ich löst sich auf und macht Platz für etwas ganz Neues.

Dies ist der Grund, warum manche Menschen, die unerträgliches Leid erleben, inmitten ihrer Schmerzen plötzlich Frieden finden. Nach langem inneren Kampf fallen sie in die Widerstandslosigkeit und leben in der völligen Hingabe an das, was ist.

Dann wird aus der anstrengenden Gegenbewegung ein mühelos Mitbewegen. Sobald du keinen Widerstand leistest gegen das, was ist, ist niemand mehr da, der etwas verlieren kann, der betroffen ist oder verletzt werden kann. Das alte Ich ist verschwunden. Wenn du den Widerstand aufgibt, spürst du, dass die Tür, gegen die du die ganze Zeit gedrückt hat, nach innen aufgeht.

Aus der Weisheit des Tao Teh King: Wu-Wei

„Wenn Sie das alles nun einsehen, ist es doch so klar, dass es ein Kind verstehen kann, dass bei einem Menschen, der wirklich nach Erlösung aus der Todesnatur verlangt, das Ich im Nicht-Tun stehen muss und in keiner einzigen Hinsicht versuchen darf, nach dem neuen Leben, der Universellen Bruderschaft und nach allem, was damit zusammen hängt, zu greifen. Das dürfen Sie nicht. Also nicht meditieren, sich nicht darauf konzentrieren und vor allem nicht phantasieren. Vollständiges Nicht-Tun ist die Forderung. (…)

Und gerade das ist das Geheimnis, das Heilsgeheimnis: Gerade weil er sich nicht daran hängt, geht es nicht von ihm fort. Wenn jemand als ein stiller Betrachter in Selbstübergabe den Pfad geht, entdeckt er, dass das neue Leben ihn überstrahlt, obwohl er sich im innersten Wesen in jeder Sekunde davon distanziert. Es ist nicht aus ihm, das neue Leben ist aus dem Anderen. Aber das eigene dialektische Selbst schmilzt darin vollkommen.

Das nun ist die Lehre des Nicht-Tun. Das ist der Weg, der Pfad. Das ist Tao.“

Aus „Die Chinesische Gnosis“, Kommentare zum Tao Teh King von Lao Tse
von J. Van Rijckenborgh und Catharose de Petri, Rozekruis Pers 1988, Kapitel 2, Wu-Wei, S. 38 ff.

Das Geheimnis des Herzens, Teil 2: Das Herz – ein Heiligtum?

Dieses Sehnen nach dem Unirdischen, Unsagbaren gab es zu allen Zeiten.

In der Schule des Rosenkreuzes wird diese Art des Begehrens nach Höherem, nach Erfüllung und Vollendung, „Heilbegehren“ genannt. Es ist der innige Wunsch, wieder heil, ganz, vollkommen zu werden. Das Herz ist dann nicht nur eine Begierdenhöhle, sondern auch ein Heiligtum, in dem sich göttliche Kräfte manifestieren können.

RosenherzDas Herz als Mitte des Menschen erfüllt mehrere Aufgaben: es ist der „Motor“ des körperlichen Lebens, das Zentrum der Seelenkräfte und die Eingangspforte für die Schwingungen des Geistes. So gruppieren und vereinigen sich letztlich die Wirksamkeiten von Körper, Seele und Geist im Herzen.

Nun kommt es darauf an, welcher Stimme wir Gehör schenken. Lassen wir uns vom irdischen Begierdenstrom mitreißen oder folgen wir unserer Sehnsucht, das Übernatürliche zu erfahren? Hier gilt, wie es im Evangelium heißt: „ Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz“.

Vielleicht beginnen wir zu begreifen, dass diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen nicht aus uns selbst kommt, sondern von einer Instanz im Herzen ausgeht, die das Geistige kennt und danach strebt, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Auch hier erhalten wir einen Hinweis im Evangelium: „Das Königreich Gottes ist in euch, es ist euch näher als Hände und Füße“.

Es befindet sich also in der Mitte des Menschen. Aber die göttliche Welt liegt zunächst nur als ein schlafendes Prinzip im menschlichen Herzen verborgen.

Wie ein Samenkorn kommt es zu Wachstum und Reife, wenn wir ihm Pflege und Nahrung zur Verfügung stellen. Wenn der göttliche Kern im Herzen sich entfaltet, wird nach und nach unsere tiefste Sehnsucht gestillt, der Mangel wird bleibend behoben. Das Herz wird zum Tempel des Geistes. Unser Herzenswunsch wird erfüllt.

Das Geheimnis des Herzens, Teil 1: Das Herz – ein Kampfplatz

Wenn wir einen Menschen betrachten und nach seinem Mittelpunkt fragen, werden wir fast zwangsläufig zu seinem Herzen geführt. In der Tat steht das menschliche Herz buchstäblich im Zentrum des Geschehens. Es versorgt alle Zellen und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wenn das Herz beginnt seinen Dienst zu versagen, sind die Stunden des Menschen gezählt.

RosenherzIn alten Zeiten wurde das Herz als Sitz der Seele und als Quelle unserer Wünsche, Begierden und Verlangen angesehen. Die ganze Skala der Gefühle, von Liebe bis Hass, ist dort zu Hause. Das Herz ist unser Empfindungsorgan. Durch seine Brille nehmen wir die Welt war, verteilen wir Sympathie und Antipathie an die Mitmenschen.

Oft erfahren wir das Gefühl innerer Spannungen. Dann kommen die Gefühle mit den Gedanken in Konflikt. Meistens und letztendlich behalten die Gefühle die Oberhand, verlangen die Begierden nach Befriedigung. Der Verstand hat das Nachsehen. „Was das Herz nicht will, kommt in das Haupt nicht hinein“.

Im Lauf der Zeiten wurden die verschiedensten Methoden angewandt, um das Herz zu kultivieren, doch von Zeit zu Zeit drängen die Begierden aus den Tiefen des Menschen an die Oberfläche. Oft hält der dünne Kulturfirnis aus Moral und Erziehung den Druck nicht aus und zerreißt. Der Mensch zeigt unverblümt seinen Egoismus und seine Selbstbehauptung.

Täglich steigen unzählige Wünsche aus unserem Herzen auf. Manche davon richten sich auf das materielle Leben, andere zeigen sich als Bedürfnisse unserer Seele, und schließlich empfinden wir manchmal eine Sehnsucht nach etwas Höherem, nach dem Absoluten, das wir nicht kennen und das mit Worten nicht zu beschreiben ist.

Jeder kennt die Erfahrung, dass dieselben Wünsche immer wiederkehren. Anscheinend lassen sie sich auf Dauer und nie endgültig zufrieden stellen.

In beinahe unendlichem Kommen und Gehen der Dinge, im beständigen Wandel der Welt berauschen wir uns an der Vielfalt immer neuer Formschöpfungen und treten damit ein in den Kreislauf von Begehren – Verführung der Sinne – und dem Begehren nach noch mehr. Wir verlieren uns im Schein der äußerlichen Welt.

Es gibt nichts, was der Mensch nicht begehren würde. Macht, Reichtum, Ehre – alles zieht er in seinen Bannkreis hinein. Auch hohe Ideale von Menschlichkeit, Vollkommenheit, Einheit sehnt er herbei.

Dabei empfindet er zuweilen einen Mangel, den er sich nicht erklären kann. Die Sehnsucht des Menschen nach Erfüllung ist manchmal so stark, dass für einen Moment die irdischen Wünsche verblassen. Und in diesem Augenblick kann er eine Impression des ganz Anderen empfangen, wofür es keine Worte gibt.

Im zweiten Teil geht es um das Herz als Heiligtum.

Veranstaltungen in Essen, Fürth und Stuttgart: Offener Raum für spirituelle Begegnungen

Der “Offene Raum” bietet die Gelegenheit zum Austausch von individuellen Erfahrungen auf dem spirituellen Weg.

Offener Raum„Weit jenseits aller Vorstellung von Richtig und Falsch gibt es ein Feld. Dort werde ich dich treffen.“
( J. Rumi)

Gelegenheiten zum spirituellen Erfahrungsaustausch bieten unter anderem die Zentren Essen, Nürnberg-Fürth und Stuttgart in der ersten Jahreshälfte 2017.

Weitere Informationen und die genauen Termine finden Sie unter der Veranstaltungs-Übersicht „Offener Raum für spirituelle Begegnung“.

Herzlich willkommen!