Die persönliche und die spirituelle Biografie, Teil 1: Beginnt das Leben erst mit der Geburt?

Gemäß der üblichen Ansicht beginnt „Leben“ mit der Geburt und endet mit dem Tod. Die alte Weisheit beschreibt jedoch einen weit größeren Kreis: Den Kreislauf von Geburt und Tod, die Reise durch die Sphären von Diesseits und Jenseits. Die sterbliche Persönlichkeit lebt 70 oder 80 Jahre, sie ist ein Wesen der Zeit. Der eigentliche Mensch, der Mikrokosmos, ist unsterblich, ein Wesen der Ewigkeit. So betrachtet umfasst eine Biografie nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch Zukunft – innerhalb der zeitlosen Ewigkeit.

SphinxBei der Geburt beginnt eine Art zweifacher Biografie: Mikrokosmos und Persönlichkeit werden auf Zeit miteinander verbunden.

Dadurch kann der Mensch wählen, welches Leben er bevorzugt. Ein Leben von einigen Jahrzehnten als sterblicher Mensch oder ein Leben, das sich zu gleicher Zeit dem göttlichen Funken im Mikrokosmos zuwendet, aus dem sich im Lauf der Jahre der geistige Mensch entwickeln kann.

Beim Tod des Menschen, am Ende der „irdischen Biographie“, verbleibt der stoffliche Körper hier in dieser Natur und vergeht. Die feinstofflichen Körper, die sterbliche Seele, verflüchtigen sich nach und nach im Jenseits. Übrig bleibt ein entleerter Mikrokosmos. Zu gegebener Zeit beginnt eine erneute Inkarnation durch die Aufnahme einer werdenden Persönlichkeit.

Oder es beginnt bereits während des irdischen Lebens eine „geistige Biografie“. Das im Verlauf des spirituellen Weges neu entstandene Seelen-Bewusstsein, die unsterbliche Seele, erlangte eine Verbindung zum göttlichen Geist. Dies führte zur vollständigen Regeneration des Mikrokosmos. Zu Lebzeiten oder nach dem Verlassen der stofflichen Hülle kann er in die göttliche Sphäre eingehen. Als wahrer Mensch ist er nun befreit und verlässt endgültig das Rad von Geburt und Tod.

Über die Welt hinaus: Die persönliche und die spirituelle Biografie

In der Reihe Über die Welt hinaus wird in fünf Teilen eine idealtypische, zweifache Biografie geschildert. Sie beschreibt sowohl den gewöhnlichen Lebensweg als auch den potentiell befreienden, spirituellen Weg.

Januskopf
Januskopf

Der sterbliche und der ewige Mensch sind wie ein Geschwisterpaar, verschieden und doch eng miteinander verbunden. Sie sind in einem gemeinsamen Gefährt, dem Körper, unterwegs. Meistens übernimmt der Sterbliche das Steuer. Doch wenn das Ewigkeitswesen sich in einer Persönlichkeit Gehör verschafft, ändert sich die Lebensrichtung für beide.

In der zweifachen Biografie geht es um zwei unterschiedliche Zustände des Menschseins, um zwei verschiedene Arten zu leben und um zwei andersartige Lebenswelten.
Es gibt den ewigen Menschen, den Sohn des göttlichen Vaters und den sterblichen, irdischen Menschen, der seine göttliche Herkunft vergessen hat. Beide gehören für die Dauer eines Menschenlebens zusammen.

Entscheidend ist, welcher der beiden Geschwister den Lebensweg bestimmt. Den Weg bestimmt immer derjenige, der wach ist, der andere muss mitgehen. In dieser Welt ist die Persönlichkeit mit ihrem Ichbewusstsein wach. Wenn jedoch der Geist im Menschen erwacht, dann begibt er sich auf die geistigen Pfade, und die Persönlichkeit wird ihm folgen.

Der Zustand und die Lebenswelt des Menschen hängen davon ab, welche Lebenswirklichkeit ihm bewusst ist. Solange er seinen geistigen Ursprung vergessen hat, lebt er in seiner sterblichen Existenz. Sobald er sich wieder erinnert, beginnt ein Bewusstwerdungsprozess, eine Höherentwicklung der Seele, die ihn schließlich in die Welt des Geistes zurückführt.

In nächster Zeit folgen nach und nach einige Texte zur „Zweifachen Biografie“ des Menschen.

Glaube und Vertrauen

Glauben ist das sichere Wissen von den Dingen, die wir noch nicht sehen können. Glauben trägt etwas Unbekanntes in sich. Für unser Ich-Bewusstsein (Eigenwilligkeit, egozentrische Sicht auf die Welt) ist das ziemlich schwierig, weil es das, was außerhalb seiner Grenzen liegt, nicht kennt und deshalb nicht für möglich halten kann.

Lichtriss im UniversumDoch es kann geschehen, dass etwas, was außerhalb der Grenzen des Ich-Bewusstseins liegt, sich uns doch unmissverständlich mitteilt. Wenn wir so berührt werden, dann können wir zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Wir können an den alten Grenzen festhalten – dann ignorieren wir diese Erfahrung. Oder wir können uns für die neue Realität öffnen.

So eine Erfahrung erweitert unser Bewusstsein. Wir glauben dann an etwas, das wir bis jetzt noch nicht kannten – aber durch diese Erfahrung können wir auf die neu entdeckte Realität vertrauen.

So kann unsere eigene Erfahrung die Vertrauensbasis bilden für eine ganz andere Realität. Sogar für eine Realität, die nicht von dieser Welt ist.

Wir können auf verschiedenen Ebenen vertrauen. Die erste Ebene ist das Selbstvertrauen. Unser Selbstvertrauen wächst, wenn wir uns selbst in immer mehr Situationen treu bleiben können. Wir sind uns selbst treu, wenn unser Denken, Fühlen und Handeln zusammenpassen. Wir brauchen dann nichts anderes zu sagen als das, was wir denken oder fühlen.

Die zweite Ebene des Vertrauens erreichen wir, wenn wir uns jemandem oder etwas anvertrauen können. Manchmal enttäuschen andere Menschen unser Vertrauen. Dann finden wir Halt, indem wir uns selbst treu bleiben – der ersten Ebene.

Wir können uns auch dem Gottesfunken, dem unsterblichen Geistkern im Menschen, anvertrauen. Die Persönlichkeit lässt ihr Ich-Bewusstsein los und vertraut sich der Leitung des Gottesfunkens an. Je mehr wir uns dem Gottesfunken anvertrauen, desto mehr wächst die Neue Seele in uns.

Sie entwickelt sich aus dem Geistkern.  Auf dieser Basis  haben wir Seelen-Vertrauen gewonnen.

Wenn wir genügend lange in diesem Seelen-Vertrauen stehen, dann kann die höchste Ebene des Vertrauens entstehen, das Gott-Vertrauen. Das Gott-Vertrauen entsteht, wenn wir einsehen, dass alles, was uns geschieht, genau dazu bestimmt ist, uns so schnell wie möglich zum Licht zu führen.  Unser eigener Wille wird dann immer unwichtiger. Wenn wir uns so erheben lassen, hat der Glaube in uns das Gott-Vertrauen frei gemacht. Mögen wir in diesem Sinne immer mehr aus dem neuen Glaubenszustand leben.

[Aus einer Ansprache während einer Rosenkreuz-Konferenz]

Widerstand gegen den „Widerstand“? Teil 3

Widerstand gegen die Zukunft

Die Engländer entscheiden sich dafür, Europa zu verlassen. Die Amerikaner wählen einen Menschen zum Präsidenten, dem niemand wirklich eine Chance eingeräumt hatte. 2016 war ein Jahr der Überraschungen. Vieles entzog sich selbst der wissenschaftlichen Vorhersagbarkeit.

Erde auf dem FingerOft hörte man von jungen Menschen, dass sie sich um ihre Zukunft betrogen fühlten. Sie sehen sich als Weltbürger und träumen von einer Welt ohne Grenzen. Für sie ist die Globalisierung und die digitale Entwicklung Grundlage für ein zeitgemäßes Leben. Es gibt eine große Gruppe von Menschen, die sich angesichts dieser Entwicklung als Verlierer sehen. Sie haben oft bessere Zeiten erlebt und fühlen sich vergessen und nicht mehr beachtet. In der Gruppe der Verlierer zeigt sich ein Widerstand, der sich in Hass, Fremdenfeindlichkeit und dem Wunsch nach Zerstörung der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen entlädt. Sie träumen oft von einer Vergangenheit, in der die Welt noch in Ordnung war.

Spricht man mit den Menschen, erfährt man, dass beide Entwicklungen Folge einer schnellen Veränderung sind, die viele Menschen verunsichert und gesellschaftliche Strukturen destabilisiert.

Die Rosenkreuzer rufen dazu auf, sich auf das Einheitspotential zu besinnen, einem Geist-Seelen-Potential, das jedem Menschen als Saat in die Wiege gelegt ist. Diese innere Kraft wirkt immer einigend. Sie ist in der Lage, den Menschen neu zu beleben. Sie schafft eine neue „Welt“ der Einheit, in der andere Gesetze wirken.

Das innere Potential kennt zwei Wege. Es wirkt einerseits destabilisierend und ruft Widerstand in den Menschen hervor, die sich von überkommenen Strukturen nur schwer lösen können. Andererseits kann es aber auch das Neue im Menschen schützen und zum Wachstum anregen – und es stimuliert eine Sehnsucht nach Freiheit. Das Geist-Seelen-Potential im Menschen bildet das sichere Fundament, das ihn auf einer festen Bahn gehen lässt.

In der augenblicklichen Situation wird der Mensch dazu gedrängt, aus dieser Kraft der Einheit zu wirken, die seinem tiefsten inneren Wesen entspricht.

Widerstand gegen den „Widerstand“? Teil 2

Widerstand als Identität

Widerstand aus Angst – Widerstand aus Antipathie – Widerstand gegen Konkurrenz – Widerstand aus Selbstschutz –

Jeder kennt persönliche Beispiele, die dazu passen …

Täglich, von morgens bis abends, denkt, fühlt und handelt man „in Widerstand“. Letztlich existiert im Bewusstsein nur noch Widerstand gegen alles und jeden. Es scheint ein Urtrieb des Menschen zu sein, als personifizierter Widerstand durch die Zeit zu jagen – und doch nie alle Widerstände beseitigen zu können.

Widerstände vereinnahmen vielfältige Gehirnaktivitäten, fressen große Teile der psychischen Energie und missbrauchen die fünf Sinne für ihre Zwecke. Wie ein erschöpfter Sisyphus resigniert man von Zeit zu Zeit, um bald danach die Rettung der eigenen Identität erneut sicherzustellen und Widerstand zu leisten gegen das, was sie uns rauben könnte. Manchmal sieht es im Kopf aus wie in einem Computerspiel: Es gibt Verbündete und Feinde, Kämpfe und Feste, Niederlagen und Siege. Aber wie innen so auch in der Außenwelt. Kaum tritt man vor die Tür, wird Widerstand provoziert und das Spiel geht weiter. „Alles, was anders ist als ich, bedroht mich. Intuitiv weiß ich, dass alle anderen Menschen genau nach derselben Strategie durchs Leben gehen“ – und damit schließt sich der Kreis.

Symptome und Ursachen

Januskopf
Januskopf

Die Polarität von Stand-Punkt und Wider-Stand, von Kraft und Gegenkraft, scheint ein umfassender und tief gehender existenzieller Zustand des Menschen zu sein. Mit Hilfe der Kultur wird versucht, die beiden Pole zu überbrücken: Die vielfältigen Einzelinteressen werden unter einem Dach auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners vereinigt, um schließlich einen Kompromiss zu schließen. Kooperation statt Konkurrenz. Widerstände werden zeitweise neutralisiert.

Unzählbar sind die therapeutischen Versuche der Psychologie, die in der Seele unablässig sprießenden Widerstände abzuschwächen. Symptombekämpfung!

Ursache für Widerstand sind Eigenwilligkeit und Selbstbehauptung. Also Vor-Stellungen, Glaubenssätze, Überzeugungen, Dogmen, Illusionen, Fantasien, von denen nicht abgewichen wird. Wie mit Scheuklappen versehen, fällt der Blick in einen schmalen Korridor der Realität des „Ich bin“.

Rückkehr in die Einheit

Die Quelle der Eigenmächtigkeit im Menschen konnte bisher nicht zugeschüttet werden, weder durch Kultur, noch durch Erziehung oder Gewalt, nicht einmal durch den Tod. Anscheinend enthält die gegenwärtige „Konstruktion Mensch“ einen Systemfehler. Warum fällt es dem Menschen so schwer, seine egozentrische Identität aufzugeben? Weil die Menschheit die Große Einheit verlassen hat. Das Bewusstsein des Menschen ist ein Trennungsbewusstsein. Das Gegenstück zur Trennung, die Einheit, findet der Mensch in dem geistigen Kern in seiner Mitte. Er ist ein Steinchen, vor Urzeiten herausgefallen aus dem Mosaik der göttlichen Schöpfung. Wer seinem eigenen Widerstand widersteht und  den Geist der Einheit in sich lebendig werden lässt, wird vom „Fluss des Lebens“ durch sein Mit-Bewegen in eine widerstandsfreie Zone aufgenommen. Sein Bewusstsein überbrückt die Polarität von Zeit und Ewigkeit.

Ein Tag im Van Rijckenborgh Konferenzzentrum: Sonnabend, 18. Februar 2017, 11-17 Uhr

„Wir laden ein zu einem Tag der Einkehr, der stillen Worte und Gespräche, der Möglichkeit zum Rückzug in das „Dahinter“, das in uns schlummert, manchmal auch pulsiert.

In Gesprächen, kleinen Vorträgen und kreativen Gestaltungsformen können wir innere Lichtspuren finden und Herzenswegen folgen.“

Steg am See
In der Stille könnte es geschehen, dass wir von uns hören
Anke Maggauer-Kirsche, Lyrikerin

10:30 Uhr Entspanntes Ankommen
11:00 Uhr Begrüßung
11:30 Uhr Gedichte & Texte zur Stille – Lesung mit Musik
12:30 Uhr Gemeinsames Essen

13:30 bis 16:00 Uhr
Kurzvorträge, Gespräche, Aktionen:

  • Die Seele – ewig oder sterblich?
  • Dialog mit der Stille
  • Stille, die bewegt
  • Hinter den Worten – Schreiboase
  • Stille Momente in der Literatur
  • Naturbegegnung bei einem Spaziergang

16:00 bis 17:00 Uhr
Tempeldienst
anschließend Verabschiedung

Wir freuen uns auf einen Tag der Begegnung und den Gedankenaustausch
mit Ihnen!
Sabine Franke     Wolfgang Scheid-Franke
Intendanz Van Rijckenborgh Konferenzzentrum

Anmeldung per e-mail, Fax oder telefonisch erbeten
Kosten 20 €
Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes e. V.
Van Rijckenborgh Konferenzzentrum · Querlandweg 5 · 31848 Bad Münder
Tel. 05042 – 30000 · Fax 05042 – 3000 – 44 · badmuender@rosenkreuz.de
www.rosenkreuz.de · facebook: Lectorium Rosicrucianum Deutschland

Zum Download des Veranstaltungsflyers (PDF)

Widerstand gegen den „Widerstand“ ? Teil 1

Es ist, wie es ist

Alle Ereignisse sind im Grunde neutral. Im Stau zu stehen – ist neutral. Düstere kalte Regentage – sind neutral. Wir haben jedoch eine Instanz in uns, die alles bewertet, die über alles richtet. Unser Verstand lebt in der Polarität von „gut“ und „schlecht“, in Vorstellungen, wie etwas „sein soll“ oder „nicht sein soll“. Geboren aus der Angst vor Verlust, aus der Angst vor der Vergänglichkeit, bemühen wir uns, das Leben zu manipulieren. Wir wehren uns gegen das, was ist. Aber genau das ist die Ursache unseres Unglücklichseins, die Ursache allen Leidens.

Es ist der Verstand, der in den Widerstand geht. Ohne den polarisierenden, wertenden  Verstand könnten wir in einem mentalen Zustand des Friedens sein.

Es hört sich einfach an: „Leiste keine Widerstand gegen das, was ist“. Oder anders ausgedrückt: „Lebe in Gottvertrauen darauf, dass alles richtig ist, was geschieht“.

Offene Türen im SonnenlichtJedoch fällt die Umsetzung dieser einfachen Weisheiten schwer, weil unser ganzes Denken, unser ganzes Sein durchdrungen ist von Widerstand. Statt den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen, wollen wir uns und die Welt nach unseren persönlichen Vorstellungen gestalten. „Leiste keine Widerstand“ ist ein Prozess, der bis in jede Faser hinein gelebt werden will. Man nennt es auch Demut oder Hingabe. Hat man diesen Punkt erreicht, kann es passieren: Das alte Ich löst sich auf und macht Platz für etwas ganz Neues.

Dies ist der Grund, warum manche Menschen, die unerträgliches Leid erleben, inmitten ihrer Schmerzen plötzlich Frieden finden. Nach langem inneren Kampf fallen sie in die Widerstandslosigkeit und leben in der völligen Hingabe an das, was ist.

Dann wird aus der anstrengenden Gegenbewegung ein mühelos Mitbewegen. Sobald du keinen Widerstand leistest gegen das, was ist, ist niemand mehr da, der etwas verlieren kann, der betroffen ist oder verletzt werden kann. Das alte Ich ist verschwunden. Wenn du den Widerstand aufgibt, spürst du, dass die Tür, gegen die du die ganze Zeit gedrückt hat, nach innen aufgeht.

Aus der Weisheit des Tao Teh King: Wu-Wei

„Wenn Sie das alles nun einsehen, ist es doch so klar, dass es ein Kind verstehen kann, dass bei einem Menschen, der wirklich nach Erlösung aus der Todesnatur verlangt, das Ich im Nicht-Tun stehen muss und in keiner einzigen Hinsicht versuchen darf, nach dem neuen Leben, der Universellen Bruderschaft und nach allem, was damit zusammen hängt, zu greifen. Das dürfen Sie nicht. Also nicht meditieren, sich nicht darauf konzentrieren und vor allem nicht phantasieren. Vollständiges Nicht-Tun ist die Forderung. (…)

Und gerade das ist das Geheimnis, das Heilsgeheimnis: Gerade weil er sich nicht daran hängt, geht es nicht von ihm fort. Wenn jemand als ein stiller Betrachter in Selbstübergabe den Pfad geht, entdeckt er, dass das neue Leben ihn überstrahlt, obwohl er sich im innersten Wesen in jeder Sekunde davon distanziert. Es ist nicht aus ihm, das neue Leben ist aus dem Anderen. Aber das eigene dialektische Selbst schmilzt darin vollkommen.

Das nun ist die Lehre des Nicht-Tun. Das ist der Weg, der Pfad. Das ist Tao.“

Aus „Die Chinesische Gnosis“, Kommentare zum Tao Teh King von Lao Tse
von J. Van Rijckenborgh und Catharose de Petri, Rozekruis Pers 1988, Kapitel 2, Wu-Wei, S. 38 ff.

Das Geheimnis des Herzens, Teil 2: Das Herz – ein Heiligtum?

Dieses Sehnen nach dem Unirdischen, Unsagbaren gab es zu allen Zeiten.

In der Schule des Rosenkreuzes wird diese Art des Begehrens nach Höherem, nach Erfüllung und Vollendung, „Heilbegehren“ genannt. Es ist der innige Wunsch, wieder heil, ganz, vollkommen zu werden. Das Herz ist dann nicht nur eine Begierdenhöhle, sondern auch ein Heiligtum, in dem sich göttliche Kräfte manifestieren können.

RosenherzDas Herz als Mitte des Menschen erfüllt mehrere Aufgaben: es ist der „Motor“ des körperlichen Lebens, das Zentrum der Seelenkräfte und die Eingangspforte für die Schwingungen des Geistes. So gruppieren und vereinigen sich letztlich die Wirksamkeiten von Körper, Seele und Geist im Herzen.

Nun kommt es darauf an, welcher Stimme wir Gehör schenken. Lassen wir uns vom irdischen Begierdenstrom mitreißen oder folgen wir unserer Sehnsucht, das Übernatürliche zu erfahren? Hier gilt, wie es im Evangelium heißt: „ Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz“.

Vielleicht beginnen wir zu begreifen, dass diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen nicht aus uns selbst kommt, sondern von einer Instanz im Herzen ausgeht, die das Geistige kennt und danach strebt, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Auch hier erhalten wir einen Hinweis im Evangelium: „Das Königreich Gottes ist in euch, es ist euch näher als Hände und Füße“.

Es befindet sich also in der Mitte des Menschen. Aber die göttliche Welt liegt zunächst nur als ein schlafendes Prinzip im menschlichen Herzen verborgen.

Wie ein Samenkorn kommt es zu Wachstum und Reife, wenn wir ihm Pflege und Nahrung zur Verfügung stellen. Wenn der göttliche Kern im Herzen sich entfaltet, wird nach und nach unsere tiefste Sehnsucht gestillt, der Mangel wird bleibend behoben. Das Herz wird zum Tempel des Geistes. Unser Herzenswunsch wird erfüllt.

Das Geheimnis des Herzens, Teil 1: Das Herz – ein Kampfplatz

Wenn wir einen Menschen betrachten und nach seinem Mittelpunkt fragen, werden wir fast zwangsläufig zu seinem Herzen geführt. In der Tat steht das menschliche Herz buchstäblich im Zentrum des Geschehens. Es versorgt alle Zellen und Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wenn das Herz beginnt seinen Dienst zu versagen, sind die Stunden des Menschen gezählt.

RosenherzIn alten Zeiten wurde das Herz als Sitz der Seele und als Quelle unserer Wünsche, Begierden und Verlangen angesehen. Die ganze Skala der Gefühle, von Liebe bis Hass, ist dort zu Hause. Das Herz ist unser Empfindungsorgan. Durch seine Brille nehmen wir die Welt war, verteilen wir Sympathie und Antipathie an die Mitmenschen.

Oft erfahren wir das Gefühl innerer Spannungen. Dann kommen die Gefühle mit den Gedanken in Konflikt. Meistens und letztendlich behalten die Gefühle die Oberhand, verlangen die Begierden nach Befriedigung. Der Verstand hat das Nachsehen. „Was das Herz nicht will, kommt in das Haupt nicht hinein“.

Im Lauf der Zeiten wurden die verschiedensten Methoden angewandt, um das Herz zu kultivieren, doch von Zeit zu Zeit drängen die Begierden aus den Tiefen des Menschen an die Oberfläche. Oft hält der dünne Kulturfirnis aus Moral und Erziehung den Druck nicht aus und zerreißt. Der Mensch zeigt unverblümt seinen Egoismus und seine Selbstbehauptung.

Täglich steigen unzählige Wünsche aus unserem Herzen auf. Manche davon richten sich auf das materielle Leben, andere zeigen sich als Bedürfnisse unserer Seele, und schließlich empfinden wir manchmal eine Sehnsucht nach etwas Höherem, nach dem Absoluten, das wir nicht kennen und das mit Worten nicht zu beschreiben ist.

Jeder kennt die Erfahrung, dass dieselben Wünsche immer wiederkehren. Anscheinend lassen sie sich auf Dauer und nie endgültig zufrieden stellen.

In beinahe unendlichem Kommen und Gehen der Dinge, im beständigen Wandel der Welt berauschen wir uns an der Vielfalt immer neuer Formschöpfungen und treten damit ein in den Kreislauf von Begehren – Verführung der Sinne – und dem Begehren nach noch mehr. Wir verlieren uns im Schein der äußerlichen Welt.

Es gibt nichts, was der Mensch nicht begehren würde. Macht, Reichtum, Ehre – alles zieht er in seinen Bannkreis hinein. Auch hohe Ideale von Menschlichkeit, Vollkommenheit, Einheit sehnt er herbei.

Dabei empfindet er zuweilen einen Mangel, den er sich nicht erklären kann. Die Sehnsucht des Menschen nach Erfüllung ist manchmal so stark, dass für einen Moment die irdischen Wünsche verblassen. Und in diesem Augenblick kann er eine Impression des ganz Anderen empfangen, wofür es keine Worte gibt.

Im zweiten Teil geht es um das Herz als Heiligtum.

Veranstaltungen in Essen, Fürth und Stuttgart: Offener Raum für spirituelle Begegnungen

Der “Offene Raum” bietet die Gelegenheit zum Austausch von individuellen Erfahrungen auf dem spirituellen Weg.

Offener Raum„Weit jenseits aller Vorstellung von Richtig und Falsch gibt es ein Feld. Dort werde ich dich treffen.“
( J. Rumi)

Gelegenheiten zum spirituellen Erfahrungsaustausch bieten unter anderem die Zentren Essen, Nürnberg-Fürth und Stuttgart in der ersten Jahreshälfte 2017.

Weitere Informationen und die genauen Termine finden Sie unter der Veranstaltungs-Übersicht „Offener Raum für spirituelle Begegnung“.

Herzlich willkommen!