Kategorie-Archiv: Intuition

Aussagen von Schülern der Geistesschule des Rosenkreuzes aus einer Befragung zum Thema Intuition

Intuition: Spontaneität und kreative Prozesse

Was heißt es, natürlich intuitiv zu handeln?

 Was bedeutet hier „natürlich“?  –  Ist damit Spontaneität gemeint?

Dann bedeutet das für mich eine Handlungsweise, die ich in dem Moment vielleicht gar nicht erklären könnte, die sich aber richtig und stimmig anfühlt und auch vom Denkvermögen als wahr erkannt und angenommen wird – hinterher, denn so schnell ist das Denken meist nicht. Intuitives Handeln beinhaltet für mich und basiert auf einem großen Vertrauen in Werte, Kräfte und Energien, die bereit sind, sich zu offenbaren, und die nicht beiseite geschoben werden wollen.  Hier, in dieser Spontaneität, habe ich auch das Gefühl und erlebe auch, dass der Denkapparat einfach umgangen wird zugunsten einer schnellen Lösung auf der Basis höherer Seelenqualität. So gesehen scheint mir intuitives Handeln als die Umsetzung einer unbewussten Erkenntnis oder Wahrnehmung unter Nichtberücksichtigung oder Umgehung der bekannten Denkvorgänge, die mit angesammeltem Wissen und mit Erinnerungen arbeiten.

Gesicht IntuitionWobei ja auch Wissen und Erinnerungen sich immer mehr verändern und damit eine neue Betrachtungsweise möglich machen. Hier scheint mit der Zeit manches immer mehr ineinanderzugreifen, was früher durchaus unterschiedlichen Bereichen angehörte.

Wie erlebt ihr Intuition im Alltag? Wie läuft der Prozess von Wahrnehmung – Intuition –  Handeln im Bewusstsein ab?

Am deutlichsten spüre ich dies intuitive Geschehen, wenn ich ein Gedicht schreibe oder male, also in kreativen Prozessen. Das kann so weit gehen, dass wie aus einem geöffneten Wasserhahn die Worte herausfließen oder das Bild sich malt. Wobei ich trotzdem das Empfinden habe, ohne meinen Wortschatz oder mein Wissen von z. B. Farbmischungen und Techniken könnte nicht zustande kommen, was dann entsteht. Wir stellen uns einander zur Verfügung. Und manchmal denke ich, das kann gar nicht allein aus mir heraus kommen. Das ist eine Inspiration aus trans- oder suprapersonalen Ebenen, die durch mein in dem Moment transparent gewordenes Tagesbewusstsein einfließt.

[Frau A.]

Intuition: Ein Fließen aus unmerklichen Anfängen in weitere Gefilde

Dieser Fragenkomplex über Intuition ist etwas, was mich seit längerem immer wieder berührt, beschäftigt und angeschaut werden will. Durch dies immer wieder Hinschauen meine ich, einen Prozess zu erkennen, der aus unmerklichen Anfängen in weitere Gefilde führt. So gesehen ist bei einer Beschreibung immer nur eine Momentaufnahme von etwas möglich, das eigentlich fließt, in steter Veränderung ist. Es ist nicht einfach, dafür Worte zu finden, aber ich will es mal versuchen. Und nicht zu vergessen: Dies sind Worte von heute, aus diesem Moment heraus … Vielleicht sähen sie morgen anders aus.

Was bedeutet für euch Intuition?

Gesicht IntuitionIntuition ist für mich die Qualität einer Wahrnehmung, die ich nicht willkürlich abrufen kann. Sie ermöglicht mir  Einsicht und Erkenntnis, ja Hilfen  aus einem Bereich, der meinem Tagesbewusstsein normalerweise verschlossen ist. Diese steigen aus dem tiefsten Inneren auf und in dem Moment weiß ich: Ja, so ist es, das ist wahr, stimmig.  Oder: Hierhin führt der nächste Schritt.  Intuition wird für mich möglich, wenn ich die anstehende Thematik so tief wie es mir möglich ist studiert, ergründet und in mir bewegt habe – wenn ich das meinige gegeben habe. Dann ‚übernimmt‘ quasi eine andere ‚Institution‘ und hilft weiter. Auf diese Weise wird die Wahrnehmung und Erkenntnis aus einer höheren Quelle gespeist, die dann meine Gegebenheiten, Fähigkeiten und Talente nutzt, um zum Ausdruck zu gelangen.

Wie nehmt ihr den Unterschied zwischen natürlicher Intuition und höherer, göttlicher Intuition wahr?

Diese Grenzlinie empfinde ich manchmal als schwimmend, für mich nicht immer klar erkennbar, bzw. verschwindend. Zunächst habe ich unterschieden zwischen einerseits natürlichen Impulsen, die ich mehr dem instinktiven Bereich zugeordnet habe und die auch das praktische Alltagsgeschehen betrafen. Und dann den Intuitionen, die den seelisch-geistigen Bereich betrafen. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, ob diese Betrachtungsweise richtig ist, denn wenn ich „mein Denken im Licht halte“, ergibt sich für mich der Eindruck, dass Intuitives auch in den natürlichen Bereich vordringt.

[Frau A.]

Intuition: Vom Instinkt über die Persönlichkeit – und darüber hinaus

Intuition findet auf der emotionalen Ebene (Astralkörper) statt. Es ist ein Empfinden, Spüren, ein Wahrnehmen von aktuellen Notwendigkeiten.

Gesicht IntuitionIn der Tierwelt ist es der Instinkt, der beim Menschen von der prä-personalen bis zur personalen Phase führt, aber dann beim Übergang in die trans-personale Phase gegen Null geht. Dann kann eine über-irdische (göttliche) Intuition empfangen werden.

Diese Intuition (Gefühl, fühlen, astral) wiederum ermöglicht dann eine dementsprechende Inspiration (Gedanken, denken, mental).

Das Resultat von beiden ist dann eine Imagination (Tun, wollen, Äther), eine Dynamisierung, eine Umsetzung einer in ein Bild, ein Symbol gegossenen Vorgabe (Order, Befehl), woher der Wind, göttlich oder nicht, auch weht.

[Herr A.]

Die Intuition der neu werdenden Seele

Intuition empfängt Eindrücke, die oberhalb des Wahrnehmungsbereichs der Sinnesorgane liegen. Es gibt Intuition auf verschiedenen Stufen, z. B. wie der Instinkt der Tiere auch beim Menschen auf der Persönlichkeits-Ebene, aber auch in Verbindung mit höheren astralen Ebenen, je nach dem Reifezustand der Seele.

Gesicht IntuitionWie nehmt Ihr den Unterschied zwischen natürlicher Intuition und höherer, göttlicher Intuition wahr?

Beispiele für intuitives Wahrnehmen auf der Persönlichkeitsebene: man spürt, dass es einem nahe stehenden Menschen schlecht geht oder dass Gefahr droht. Es gibt Menschen, die Ereignisse voraus sehen können. Oder auch „Gedankenübertragung“. Man kann die innere Bewegtheit oder das psychische Wesen eines Menschen wahrnehmen.

„Göttliche“ Intuition dagegen ist das Erkennen der Wahrheit oder auch der Einheit; dessen, was über Sympathie und Freundschaft hinaus geht oder auch das Wahrnehmen des göttlichen Wesens in anderen Menschen.

Wie erlebt Ihr Intuition im Alltag?

Beispiel: die Begegnung mit einem anderen Menschen macht mir ein ganz ungutes Gefühl. Im Denken tauchen dann Bilder aus der Erinnerung an ähnliche Erlebnisse auf oder andere Assoziationen, die in mir bewusst oder meist eher unbewusst zu einem Urteil über diesen Menschen führen: z.B. der lügt, der ist nicht echt, arrogant, der will mir was. Und dem entsprechend ist mein Handeln: es kommt zu Streit oder ich meide in Zukunft die Begegnung.

Die Intuition der neu werdenden Seele erfasst dagegen viel weiter: sie fühlt keinen Angriff auf der Persönlichkeits-Ebene, sondern nimmt den anderen Menschen auch in seinem Suchen nach höherem Leben wahr und weiß, dass er wegen seiner karmischen Prägung nicht anders handeln kann. Das Gefühl ist Liebe und das Denken kann eine Frage formulieren, wie die Situation zu klären ist oder dem anderen zu helfen ist.

[Frau M.]

Intuition: Vom „Bauchgefühl“ bis zu göttlichen Impulsen

Was verstehen wir unter Intuiton?

  • Eine plötzliche Eingebung, das bewusste‚ Denken spielt dabei keine Rolle.
    Beispiel: man schlägt ein Buch an der grade passenden Stelle auf.
  • Ein spontanes Wissen, man fühlt sich ruhig.
  • Das Richtige tun, ohne es geplant oder gewollt zu haben.
    Beispiel: bei einer Wanderung schlägt man den richtigen Weg ein.
  • Man kann etwas, z. B. Möbel bauen, ohne es gelernt zu haben.

Kann eine Intuition falsch sein?

Gesicht IntuitionAuf jeden Fall ist sie nicht nur positiv: Hitler oder Stalin waren hoch intuitive Persönlichkeiten, bzw. jeder erfolgreiche Politiker  folgt seinem „Bauchgefühl“. Hier wird deutlich, dass Intuitionen auch auf kollektiven Suggestionen beruhen können. Der Empfänger ist ein Medium.  In diesem Zusammenhang muss auch an eine Überschattung durch Einflüsse äußerer Kräfte gedacht werden.

Intuitionen entstehen also außerhalb des Bewusstseins. Eine bewusste Verbindung mit dem Aurischen Wesen macht theoretisch Intuitionen überflüssig. Das karmatische Wissen kann gezielt abgerufen werden.

Insgesamt: Eine Intuition

  • Erscheint überraschend
  • Hat ihre Quelle im persönlichen oder kollektiven Unbewussten
  • Sie bezieht sich auf eine aktuelle Frage, ein aktuelles Problem
  • Wahrscheinlich initiieren wir sie mehr oder weniger bewusst, indem wir uns über einen gewissen Zeitraum mit einer Frage beschäftigen, ohne durch Überlegungen  eine Antwort zu finden. Der  Chemiker Kekulé konnte die Ringstruktur des Benzols träumen, weil er sich lange mit den Kohlenstoffverbindungen beschäftigt hatte.
  • Auf einer tieferen Ebene tritt Wissen aus körperlichen, ätherischen oder astralen Strukturen ins Bewusstsein.

Wir sollten berücksichtigen, dass sich ein großer Teil bzw. der größte Teil unseres Lebens im halbbewussten Bereich abspielt. Insofern treten Intuitionen im obigen Sinn wohl weitaus häufiger auf, als uns bewusst ist. Meist verarbeiten wir sie allerdings so schnell, dass sie dem Bewusstsein gar nicht auffallen. Beispiel: Autofahren.

Was verstehen wir unter einer „göttlichen Intuition“?

Wir gingen davon aus, dass damit der große Bereich  dessen gemeint ist, was wir Gnosis nennen.

Die Bedingungen dafür:

  • Auf die Lichtkraft ausgerichtet sein
  • leer werden
  • für andere bzw. nicht für sich selbst etwas wollen
  • Sehnsucht nach etwas Höherem

Diese Art Intuition äußert sich in

  • einem Ganzheits-Bewusstsein
  • in existenziellen Brüchen im Leben
  • einem  neuen Bewusstseinszustand/Lebenszustand
  • einer Überzeugung/Sicherheit, dass ich das Richtige im Hinblick auf meinen spirituellen Weg tue.

Insgesamt:

Die „göttliche Intuition“ bezieht sich auf das Wachstum der neuen Seele. Als unbekannter Ätherstrrom bewirkt sie in  uns immer wieder die Entschlossenheit, den Pfad weiterzugehen. Sie stärkt die Verbindung mit den Lichtkräften der Gnosis, indem sie vor allem Unterscheidungsvermögen bewirkt. Intuitiv erkennen wir uns selbst in aller Deutlichkeit. Im Unterschied zur dialektischen Intuition stärkt die „göttliche Intuition“ also die Bewusstseinskräfte. Sie äußert sich nicht sensationell, sondern ihr Erscheinen hat etwas Selbstverständliches, Natürliches, ein inneres zustimmendes Nicken: So ist es. So können wir den Weg im Vertrauen auf diese innere Führung im Licht der Kenntnis gehen. Diese Art der Intuition gleicht einem immer wieder erlebbaren inneren Erwachen und damit ist verbunden ein Zustand von lebendig werden. Denn die Kenntnis ist immer mit dem Freiwerden von Kraft verbunden. Etwas ist noch von Bedeutung: die „göttlichen Intuitionen“ stoßen ein Fenster auf und dann dringt eine klare und kühle Luft herein. Diese belebt uns, aber sie bleibt unserem Wesen fremd. Sie lässt sich nicht in den Dateien unseres Wissensbestandes speichern. Dann verlöscht sie sehr schnell. Die „göttlichen Intuitionen“  sind Energiepakete, die, wenn sie Erscheinen, zur Veränderung genutzt werden wollen, um sich dann wieder schnell dem Griff unseres Bewusstseins zu entziehen.

[Notizen aus einem Nachmittag in einem Zentrum des Rosenkreuzes]

Frei-Raum für alles, was da kommen kann

Je mehr Hingabe mir möglich ist  –  „Herr was willst Du, was ich tun soll ? –   Dein Wille geschehe“   –  um so mehr kann ich wahrnehmen, um so mehr wird mir bewusst. Für mich ist es wie ein Geschenk, für das ich bereit bin (nicht mehr und nicht weniger).

Gesicht IntuitionIm Alltag läuft es für mich so am besten ab, wenn ich für eine Situation alles tue, was ich kann (und wie ich es im Moment kann), mit dem Gedanken, dass meine Handlung oder mein Verhalten so sein sollte, wie es für alle Beteiligten am besten ist. Dann lasse ich es los und sehe was kommt. Also möglichst ohne feste Vorstellungen, wie etwas zu sein hat. Das heißt, ich gebe den Raum frei für Alles was da kommen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn mir das gelingt, dann geschehen reine Wunder, denn es geschehen Dinge, die ich mir in meiner begrenzten Vorstellung niemals hätte wünschen oder auch nur ausdenken können.

Also dadurch, dass ich mich mit diesem vollkommenen Vertrauen, dass alles was geschieht absolut richtig ist, hingeben oder öffnen kann, entsteht das Vollkommene! Im Kleinen wie im Großen, auf allen Ebenen. Dazu ist es aber nötig, dass ich mir das immer wieder ins Bewusstsein hebe.

Natürlich stehen mir auch oft meine Gefühle oder mein Denken im Wege aber der Prozess findet statt.

Die Wahrnehmung der Intuition ist für mich wie ein Blitzgedanke im Herzen. Die Handlung kann nicht willentlich geschehen. Ich glaube das Handeln der Intuition entsprechend kann nur spontan geschehen, wenn es im Bewusstsein verankert ist. Wenn mein Ego-Wille dazwischen steht funktioniert es nicht.

[Frau D.]

Natürliche und göttliche Intuition

Natürliche Intuition

Es gibt für mich im Alltag zwei Möglichkeiten, wie ich an eine äußere Situation oder Anforderung herangehe:

  • entweder ganzheitlich, spontan; typisch für die Funktion der rechten Hirnhälfte; oder
  • analytisch, planmäßig, strukturiert, was der Funktion der linken Hirnhälfte entspricht.

Der Begriff „Intuition“ beschreibt die erste Möglichkeit der Herangehensweise, während die zweite Art mit „Rationalität“ gekennzeichnet werden kann.

Gesicht IntuitionIntuition steht demnach im Gegensatz zu einem Handeln, dem ein systematischer, bewusster und linearer Denkprozess vorausgeht. Sie ist für mich eine Aktion, ohne vorherige Reflexion, ein spontanes Handeln aufgrund eines unmittelbaren, empfindungsmäßigen, mehrdimensionalen Erfassens. Das Wesentliche (z.B. einer Situation, eines Menschen) wird von innen gleichsam erspürt. Es ist ein inneres, ätherisches Wahrnehmen einer äußeren Realität und ein Handeln daraus. Der Kontext ist eine bestimmte geistige oder moralisch-ethische Grundhaltung.

Der Verstand kann in diesem Geschehen eine dienende, unterstützende Funktion einnehmen, kann aber auch als störende, hemmende Kraft wirken.

Auf der Ebene der Persönlichkeit erleben wir also ein Erkennen und Handeln im Spannungsfeld von ganzheitlich/spontan und analytisch/systematisch.

Göttliche Intuition

„Göttliche Intuition“ ist für mich die Erfahrung einer „inneren Stimme“. Sie teilt sich der Persönlichkeit mit, ist aber nicht Teil der Persönlichkeit. Sie kann als ein plötzliches inneres Erkennen, als ein blitzartiges Erleuchtetsein, das aus dem tiefsten Wesen des Menschen auftaucht, erlebt werden. Sie schenkt Einsichten und Antworten auf suchende Fragen, die den inneren Weg betreffen. Sie zeugt von einer Dimension im Menschen, die außerhalb und unabhängig von seiner zeiträumlichen Natur existiert.

Neben diesen meist selteneren, sich deutlich abhebenden kurzen Momenten kann sich diese Stimme sehr leise, z.B. als eine innere Resonanz beim Lesen gnostischer Texte und bei Tempeldiensten oder als innere Führung bezüglich des nächsten Schrittes auf dem Pfad und auch als warnendes „Stopp“ in Augenblicken der Versuchung melden.

Intuition in diesem Sinne ist vor allem im Herzen erfahrbar und führt zur Glaubensgewissheit und innerer Klarheit bezüglich des spirituellen Weges.

Vergleich

Natürliche Intuition im Alltag hat als Basis das Ich, das bestimmte Absichten und Ziele verfolgt. Akteur ist die Persönlichkeit. Das Handeln daraus dient der Bewältigung des persönlichen Lebens.

Göttliche Intuition kommt aus dem tiefsten, unbegrenzten Wesen des Menschen und setzt eine suchende, das Ich negierende Lebenshaltung voraus. Akteur ist das Göttliche Wesen im Menschen. Ein Handeln daraus dient dem Weg der Befreiung des Mikrokosmos aus der natürlichen, d. h. vergänglichen  Natur.

[Frau G.]

Intuition: Von Fußball über Religion bis Schwingung …

Zunächst muß ich sagen, das Thema behagt mir nicht, zum einen wegen des Gegensatzpaares „Intuition“ – „Verstand“, und zweitens weil Frauen immer meinen, sie hätten „Intuition“, aber für Männer sei diese unerreichbar weil sie zu sehr mit dem „Verstandesdenken“ verbunden seien.

Das ist aber kompletter Unsinn. Es gibt Beispiele zuhauf für Intuition, wo man gar nicht daran denkt. Tore schießen beim Fußball. Ein Tor zu erzielen ist pure Intuition. Das gleiche gilt für das Gegenteil, die „unerklärlichen Reflexe“ eines Torwarts. Oder noch viel elementarer: wenn Kinder laufen lernen, tun sie das intuitiv. Jeder Autofahrer kennt die Intuition, wenn er etwa auf der Autobahn auf der Überholspur fährt und irgendwie merkt, dass auf der anderen Spur einer ausscheren will, obwohl er nicht geblinkt hat.

Gesicht IntuitionWoher kommt das Wort „Intuition“? Ich glaube der Definition des Duden nicht, sie ist mir zu „esoterisch“ und „psychologisch“, da wird mir zu spekulativ von „Unterbewußtsein“ oder dem „Unbewussten“ herumschwadroniert. Mir hingegen fällt dabei das englische Wort „tuition“ ein, es bedeutet „Unterricht“ oder „Lehre“. In-tuition wäre demnach alles, was man nicht lehren oder unterrichten kann. Wie z.B. laufen lernen, oder schwimmen, oder skifahren. Oder Tore schießen. Es gibt ja das berühmte Beispiel vom Tausendfüßler, der gefragt wird, wie er es schafft, die vielen Beine unter Kontrolle zu halten, und nachher nicht mehr laufen kann. Es gibt auch Gebiete, die ohne Intuition auskommen, zum Beispiel wenn jemand eine Sprache lernt oder mathematische Formeln. Alles Berechenbare läuft ohne Intuition ab, ebenso wie Routinearbeiten, etwa die Arbeit eines Rechtsanwaltes, Verwaltung etc.

Es gibt so etwas wie „geistige“ oder „emotionale“ Intuition, das spontane Erfassen von Zusammenhängen. Sie ist nicht alltäglich, das heißt aber nicht, daß sie „göttlich“ ist.

Die göttliche Intuition ist etwas ganz anderes. Sie wird aktiv, sobald „Gott am Ruder unseres Lebensschiffes sitzt“ (wie Jan van Rijckenborgh sich ausdrückte), und verschwindet sofort, wenn sich unser Normalbewusstsein, einer tödlichen Wolke gleich, dazwischenschiebt. Sie bewirkt unmittelbar, dass alle äußeren Umstände, wie widrig sie dem Normalbewusstsein auch erscheinen mögen, zu unseren Verbündeten werden. Sie ist begleitet von einer unnachahmlichen und unverwechselbaren Empfindung von „Selbstironie und Abenteuerlust“, Frische und Heiterkeit, und bei alldem wird klar, was mit dem Christuswort gemeint ist: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen“.

Wir haben dabei gar nicht die Zeit, Überlegungen anzustellen wie „das gibt’s nicht!“ oder „was ist bloß mit mir los?“, weil die göttliche Intuition uns ganz ausfüllt. Es gibt nichts außer ihr. Sie kennt keinen Unterschied zwischen „Alltag“ und dem Ungewöhnlichen oder zwischen dem „Heiligen“ und „Profanen“. Alles ist spannend, und alles ist Staunen, und es sind nicht wir, die staunen. Die göttliche Intuition „ergreift von uns Besitz“, ist aber weder aufdringlich noch bedrängend.

Religiöse Menschen neigen zu dem Glauben, bei Tätigkeiten in ihrer Gemeinschaft zeige sich die göttliche Intuition in besonderem Maße. Dazu muss gesagt werden: für die göttliche Intuition gibt es keinen Vorrang für „religiöse“ Aktivitäten, in Wirklichkeit gibt es da überhaupt keine Vorrangstellung für irgendwelche Aktivitäten. Es kann wohl sein, dass beim Schreiben eines Ritual- oder Gebetstextes „wir das nicht selber tun“, aber in der Regel ist es doch wieder nichts weiter als Gefallsucht und Konformismus. Es ist immer verdächtig, wenn Menschen nur Beispiele aus dem engeren religiösen Umfeld angeben, wenn sie nach der göttlichen Intuition gefragt werden. Im Gegenteil, jeder, der die göttliche Intuition einmal erlebt hat, weiß, dass sie religiöse Vorstellungen vom Tisch wischt wie eine tote Fliege.

Eine ganz heikle Geschichte ist die Intuition des spontanen Erfassens der menschlichen Schwingung. Diese Schwingung macht die Attraktivität eines Menschen aus und entscheidet alles, und sie gibt Antwort auf Fragen wie „was hat der (bzw. die), was ich nicht habe?“ oder „wie können diese beiden ein Paar sein?“ Sie wird oft als die „Ausstrahlung“ bezeichnet, aber das ist zu wenig. Hinduistische Geheimlehren wussten schon vor Jahrtausenden, dass die Schwingung das tiefste Geheimnis ist.  Wer das bezweifelt, dem sei gesagt: Musik ist auch nur Schwingung.

Das Heikle daran ist, dass ich nicht weiß, ob diese Form der Intuition „natürlich“ oder „göttlich“ ist. Ansonsten gilt nämlich: „natürliche“ und „göttliche“ Intuition gehen nicht ineinander über. Die eine entwickelt sich nicht aus der anderen, noch ist die eine ein Ausfluss aus der anderen.

[Herr M.]

Intuition: Unterscheidung der zwei Lebensfelder

Was bedeutet für Euch Intuition /göttliche Intuition?

Intuition kommt für mich aus dem „Allbewusstsein“. Ein transformierter Impuls aus dem göttlichen Lebensfeld.

Sonst würde ich es eher Inspiration bzw. Idee oder Einfall aus dem irdischen Lebensfeld nennen.

Wie nehmt Ihr den Unterschied zwischen natürlicher Intuition und höherer, göttlicher Intuition wahr?

Gesicht IntuitionDurch die tägliche Praxis des Schülerweges entsteht Unterscheidungsvermögen. Die Wahrnehmung ist innerlich, manchmal nur eine tiefe innere Erkenntnis, die oft auch erst nach einer spontanen Handlung wahrgenommen wird. Es ist ein sehr feiner Impuls, der meines Erachtens einen kurzen Blick ins Allbewusste zulässt, soweit es unserem Bewusstseinszustand entsprechend möglich ist. Die neue Seele ist für mich dabei der Mittler.

Was heißt es, natürlich intuitiv zu handeln? Welche Rolle spielen dabei das Denken und die Gefühle? – Im Unterschied zum Handeln auf der Basis der Intuition der neuen Seele, das heisst, aus der sich verändernden innerlichen Wahrnehmung.

Ich glaube, je mehr Gefühle und das alte „Ego-Denken“ beiseite treten, um so mehr Raum wird frei für die Wahrnehmung der Intuition (die Impulse aus dem Allbewusstsein). Das kann nicht „gewollt“ geschehen. Es verändert sich in dem täglichen Prozess des individuellen Weges, im eigenen Rhythmus. Das Denken verändert sich, die Gefühle treten mehr in den Hintergrund, der neue Seelenkörper entwickelt sich, die Intuition und damit die Erkenntnis nimmt zu – das ist für mich der Prozess.

[Frau D.]

Intuition: Die göttliche Gabe und ihr Diener

Wie erlebe ich Intuition?

Unser Handeln basiert auf Intuition. Im täglichen Leben erfahrbar, z.B. im persönlichen Umfeld entsteht ein Bedürfnis. Intuitiv teilt sich dies mit und man handelt entsprechend. Voraussetzung ist natürlich, dass man emotional mit dieser Person oder dem Umfeld verbunden ist.

Im übertragenen Sinn kann auch eine göttliche Intuition den Menschen erreichen, wenn das Innerste darauf gerichtet ist.

Dann fand ich noch einen schönen Spruch von Albert Einstein:

Gesicht IntuitionDie Intuition ist ein göttliches Geschenk,
der denkende Verstand ein treuer Diener.
Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben,
den Diener zu verehren
und die göttliche Gabe zu entweihen!

[Frau H.]