Archiv der Kategorie: Zu den Seminarteilen

Gedanken zu den Seminarteilen

Die persönliche und die spirituelle Biografie, Teil 1: Beginnt das Leben erst mit der Geburt?

Gemäß der üblichen Ansicht beginnt „Leben“ mit der Geburt und endet mit dem Tod. Die alte Weisheit beschreibt jedoch einen weit größeren Kreis: Den Kreislauf von Geburt und Tod, die Reise durch die Sphären von Diesseits und Jenseits. Die sterbliche Persönlichkeit lebt 70 oder 80 Jahre, sie ist ein Wesen der Zeit. Der eigentliche Mensch, der Mikrokosmos, ist unsterblich, ein Wesen der Ewigkeit. So betrachtet umfasst eine Biografie nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch Zukunft – innerhalb der zeitlosen Ewigkeit.

SphinxBei der Geburt beginnt eine Art zweifacher Biografie: Mikrokosmos und Persönlichkeit werden auf Zeit miteinander verbunden.

Dadurch kann der Mensch wählen, welches Leben er bevorzugt. Ein Leben von einigen Jahrzehnten als sterblicher Mensch oder ein Leben, das sich zu gleicher Zeit dem göttlichen Funken im Mikrokosmos zuwendet, aus dem sich im Lauf der Jahre der geistige Mensch entwickeln kann.

Beim Tod des Menschen, am Ende der „irdischen Biographie“, verbleibt der stoffliche Körper hier in dieser Natur und vergeht. Die feinstofflichen Körper, die sterbliche Seele, verflüchtigen sich nach und nach im Jenseits. Übrig bleibt ein entleerter Mikrokosmos. Zu gegebener Zeit beginnt eine erneute Inkarnation durch die Aufnahme einer werdenden Persönlichkeit.

Oder es beginnt bereits während des irdischen Lebens eine „geistige Biografie“. Das im Verlauf des spirituellen Weges neu entstandene Seelen-Bewusstsein, die unsterbliche Seele, erlangte eine Verbindung zum göttlichen Geist. Dies führte zur vollständigen Regeneration des Mikrokosmos. Zu Lebzeiten oder nach dem Verlassen der stofflichen Hülle kann er in die göttliche Sphäre eingehen. Als wahrer Mensch ist er nun befreit und verlässt endgültig das Rad von Geburt und Tod.

Über die Welt hinaus: Die persönliche und die spirituelle Biografie

In der Reihe Über die Welt hinaus wird in fünf Teilen eine idealtypische, zweifache Biografie geschildert. Sie beschreibt sowohl den gewöhnlichen Lebensweg als auch den potentiell befreienden, spirituellen Weg.

Januskopf
Januskopf

Der sterbliche und der ewige Mensch sind wie ein Geschwisterpaar, verschieden und doch eng miteinander verbunden. Sie sind in einem gemeinsamen Gefährt, dem Körper, unterwegs. Meistens übernimmt der Sterbliche das Steuer. Doch wenn das Ewigkeitswesen sich in einer Persönlichkeit Gehör verschafft, ändert sich die Lebensrichtung für beide.

In der zweifachen Biografie geht es um zwei unterschiedliche Zustände des Menschseins, um zwei verschiedene Arten zu leben und um zwei andersartige Lebenswelten.
Es gibt den ewigen Menschen, den Sohn des göttlichen Vaters und den sterblichen, irdischen Menschen, der seine göttliche Herkunft vergessen hat. Beide gehören für die Dauer eines Menschenlebens zusammen.

Entscheidend ist, welcher der beiden Geschwister den Lebensweg bestimmt. Den Weg bestimmt immer derjenige, der wach ist, der andere muss mitgehen. In dieser Welt ist die Persönlichkeit mit ihrem Ichbewusstsein wach. Wenn jedoch der Geist im Menschen erwacht, dann begibt er sich auf die geistigen Pfade, und die Persönlichkeit wird ihm folgen.

Der Zustand und die Lebenswelt des Menschen hängen davon ab, welche Lebenswirklichkeit ihm bewusst ist. Solange er seinen geistigen Ursprung vergessen hat, lebt er in seiner sterblichen Existenz. Sobald er sich wieder erinnert, beginnt ein Bewusstwerdungsprozess, eine Höherentwicklung der Seele, die ihn schließlich in die Welt des Geistes zurückführt.

In nächster Zeit folgen nach und nach einige Texte zur „Zweifachen Biografie“ des Menschen.

Die verborgene Tür zur Identität

Schäm dich nicht, Mensch zu sein, sei stolz!
In dir öffnet sich Gewölbe um Gewölbe, endlos.
Du wirst nie fertig, und es ist, wie es sein soll.“

aus: Tomas Tranströmer, Romanische Bögen

Der, der dies sagt, hat eine ihm bisher verborgene Tür zu seiner Identität als Mensch geöffnet und sein Bewusstsein schaut zum ersten Mal in die Gewölbe seines Mikro-Kosmos. Die Persönlichkeit ist die sterbliche Gestalt, die Erde, inmitten dieses kleinen Kosmos. Der Mensch steht da und schaut gleichsam in den Himmel seiner mikrokosmischen Kugel.

MenschDie alte Weisheit beschreibt den Himmel als ein siebenfach gestuftes Gewölbe. Ob ein Menschenleben ausreicht, all diese Weiten zu erforschen? In einem dieser Gewölbe sind die Spuren der unzähligen Erdenleben eingraviert, das Karma. Diese Spuren, konzentriert zu „Sternen“, senden ihre Lichtenergie in das Haupt der Persönlichkeit. So formen sie maßgeblich den Lebensweg des Menschen. Von diesem Bild wurde einstmals der Begriff Astro-Logie abgeleitet.

Am mikrokosmischen Firmament wartet außerdem noch eine verborgene geistige Sonne auf ihre Stunde, bis die Wolken der Gedanken und Gefühle in der Atmosphäre des Mikro-Kosmos weggefegt werden und der Geist die göttliche Seele wieder erleuchten kann.

Dann ist der ursprüngliche geistige Mensch wieder geboren – unsterblich und vollkommen, so wie er sein soll: ein göttliches Ebenbild, in dem sich sein Schöpfer spiegeln kann.

[Redaktion]

Abschied vom Irdischen: Jan van Rijckenborgh über Astrologie

Viele spirituell arbeitende Menschen erkennen mehr und mehr, was sie verbindet. Bisher getrennt arbeitende Gruppen finden zusammen, tauschen sich aus, finden Anknüpfungspunkte. Doch es geht nicht um Einheitsbrei: Viele Wege führen zum Ziel, aber nicht alle Wege sind gleich. Es ist sogar ein wichtiges Kennzeichen der Zusammenarbeit, dass die Gruppen sich ihrer spirituellen Identität immer klarer bewusst werden.

In diesem Sinne möchten wir ein Zitat von einem der Gründer der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes vorstellen, das einen Aspekt des Selbstverständnisses zeigt und gleichzeitig den Entwicklungsprozess der Schule des Rosenkreuzes schildert:

„Es gibt eine Wissenschaft, die Sie kennen, entweder nur dem Namen nach oder aus Erfahrung. Diese Wissenschaft wird heute Astrologie genannt. In der Vorzeit stand sie bei einigen Völkern in hohem Ansehen. Mit Hilfe dieser Wissenschaft kann man feststellen, auf welche Weise die magnetischen Strahlen des Makrokosmos und Mikrokosmos in der Persönlichkeit wirken. Von dieser Wissenschaft geht unverkennbar eine große Verlockung aus, diese Wissenschaft beschreitet tatsächlich Sternenwege. Wir haben sie jahrelang persönlich ausgeübt. Fünfzehn Jahre lang wurde sogar Unterricht darin erteilt, und unsere Schüler wurden darüber belehrt, wie sie im Netz des Schicksals hängen, dass sie Gefangene sind, dass jeder Tag, ja jede Stunde ihres Lebens von den magnetischen Strahlen und ihrer Zusammensetzung bestimmt wird. Es wurde aufgezeigt, wie man das exakt feststellen und die Folgen sogar im Voraus wissen kann. Aber als sie das gut wussten und erfahren hatten und die Bestürzung über diese zügellose, magnetische Gewalt erlebt hatten, ging es um die Konsequenzen.

War die Konsequenz dieser Wissenschaft: ‘Wie verhalte ich mich als Gefangener im Netz des Schicksals? Wie verhalte ich mich in der Heimsuchung der magnetischen Strahlen? Wie fange ich ihre Schläge auf? (…) Wie winde ich mich am vorteilhaftesten im Netz? Wie kann ich den besten Gebrauch davon machen, um mich durchs Leben zu schlagen, bis der Tod der Verbrennung darauf folgt?‘

UniversumOder sollte die Konsequenz sein: ‘Wie reiße ich mich aus dem Netz des Schicksals los? Wie komme ich zu einem befreienden Leben, in dem die Spinne des dialektischen Lebens mich nicht mehr aussaugt?‘

War die Konsequenz: ‘Wie folge ich mit Hilfe dieser Wissenschaft meinem Todesgang auf dem Fuße?‘ Oder sollte es so sein: ‘Da ich nun das Fatum gesehen und die Medusa angestarrt habe, nehme ich Abschied von dieser Wirklichkeit des Todes, um sie gegen die Wirklichkeit eines neuen Lebensganges einzutauschen?“

(Das Nykthemeron von Apollonius von Tyana, Siebente Stunde,
erklärt von Jan van Rijckenborgh)

In diesem Zitat wird ein Stück Geschichte der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes deutlich. Ihre Identität veränderte sich im Lauf von einigen Jahrzehnten von der Persönlichkeitsschule zur Seelenschule und weiter zur Geistes-Schule.

Der Wandel von der Persönlichkeitsschule zur Seelenschule vollzog sich vom Gründungsjahr 1924 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Ab 1945 verlagerte sich der Akzent immer stärker auf den Aufbau einer Geistes-Schule. Wie lässt sich solch eine Entwicklung erklären?

In der Arbeit der Universellen Lichtbruderschaft gibt es unterschiedliche Akzente.

Es gibt Persönlichkeitsschulen, Seelenschulen und Geistesschulen, die auf unterschiedliche Weise arbeiten und in denen unterschiedliche Menschen angetroffen werden. Jeder Mensch steht auf seinem kosmischen Erfahrungsweg an einem bestimmten Punkt der Entwicklung und hat unterschiedlich viele spirituelle Werte in seinem Wesen angesammelt. Diese geistige Reife erzeugt letztlich die Resonanz, die ihn in seinem irdischen Leben zu einer der drei Schulen hinzieht.

Ziel dabei ist es, die Menschen zu einer nächst höheren Bewusstseinsstufe zu führen. Den Übergang von einem Bewusstseinszustand zum nächsten in einer solchen Schule nennt man Einweihung.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum es solch eine Vielzahl unterschiedlicher spiritueller Gruppen gibt. Jeder geistig strebende Mensch erhält dadurch die Möglichkeit, seinen geistigen Wachstumsprozess in einer ihm angepassten Weise fortzuführen.

Die Geistes-Schule oder Mysterienschule des Rosenkreuzes konnte entstehen und sich entwickeln, weil eine genügend große Menschengruppe eindeutig auf die Verbindung von Seele und Geist ausgerichtet war und ihr Verlangen intensiv genug nach dieser Erfüllung verlangte. Dadurch konnten die Diener der Bruderschaft der unsterblichen Seelen bei diesem Feuer anknüpfen und eine Verbindung zu der werdenden Geistesschule herstellen. In ihr entstand ein mächtiges Kraftfeld, das bis heute wie ein alchemischer Feuerofen der Transformation wirkt, in dem, bildhaft gesprochen, unedle Metalle in Gold verwandelt werden.

[Redaktion]

Was ist Gnosis?

GNOSIS ist Erkenntnis – die Erkenntnis des äußeren und des inneren Menschen.

GNOSIS ist Erkenntnis Gottes.

GNOSIS ist die Antwort auf die Fragen nach Ursache und Schicksal der gegenwärtigen Existenz des Menschen und der Welt.

GNOSIS kann nicht gelehrt, studiert und geübt, kann nicht durch Meditation und Gebet erzwungen werden.

GNOSIS entsteht nicht aus dem Verstand oder aus dem Gefühl oder durch noch zu erweckende Sinnesorgane.

GNOSIS gründet sich weder auf das Diesseits noch auf das Jenseits.

Universum

GNOSIS ist ein Weg, ist Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis und Überwindung der inneren, kristallisierten Charakter-Strukturen.

GNOSIS entsteht aus dem Geistigen, ist innere Erkenntnis durch Offenbarung.

GNOSIS ist Lernen und Veränderung und entsteht erst dann, wenn die Ichheit überwunden wird, damit der Geistseelen-Mensch wiedergeboren werden kann.

GNOSIS ist Überwindung des Irdischen, ist Befreiung vom Diesseits und Jenseits, ist Wiedergeburt und Erlösung.

GNOSIS ist vielfach versucht und imitiert, ist vielfach kritisiert und verurteilt worden.

Doch:

GNOSIS besitzt nur, wer sich selbst überwindet und verändert.

Denn:

GNOSIS ist der Beginn der Vollendung des Menschen, und die

GNOSIS Gottes ist das Ende der Vollendung.

Ergänzung zum sechsten Seminarteil: „Die Lehre und der Weg“.

Drei Wege des Lernens

Der chinesische Philosoph Konfuzius sagt:

„Es gibt drei Wege des Lernens:

  1. durch Nachahmung, das ist der einfachste,

  2. durch Einsicht, das ist der schwierigste,

  3. durch eigene Erfahrung, das ist der bitterste“.

Wer einen spirituellen Weg betritt, lernt natürlicherweise zuerst durch Nachahmung. Sei es, dass  er seine Weggenossen beobachtet oder die Anweisungen eines Lehrers befolgt und ausführt. Learning by doing.

SchmetterlingNach und nach entsteht ein Begreifen der Lehren und der Praxis des Schülerweges. Die Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens, der Welt und der Menschheit wächst und vertieft sich. Dadurch werden häufig die eigenen Anschauungen, Werte und Maßstäbe in Frage gestellt. Nun gilt es, diese loszulassen oder umzuformen und die neuen Vorgaben anzunehmen. Nicht so leicht fällt es, die gewonnenen Einsichten in die Tat umzusetzen. Was der Kopf begreift, benötigt manchmal einen langen Weg bis in ein verändertes Handeln. Die Korrekturen im Denken können letztlich nicht von denen des Empfindens und Handelns getrennt werden.

Auf dem spirituellen Weg macht der Schüler vielfältige Erfahrungen: mit seinen Mitschülern, mit dem Gruppengeschehen, mit den äußeren Veränderungen seines  Lebens und mit sich selbst, genauer: mit dem inneren Auf und Ab, das Ringen mit den Widerständen, das Fallen und wieder Aufstehen. Je mehr sich die geistige Kraft in seinem Lebenssystem ausbreitet, desto deutlicher erkennt der Schüler seine Selbstbehauptung, seinen Selbstbetrug, seine Egozentrik. Das ist schmerzhaft. Doch auch die bittersten Erfahrungen verwandeln sich in Freude, wenn der Schüler bereit ist, sich vollkommen der innerlichen geistigen Kraft zu übergeben. Sie manifestiert sich in der erneuerten Seele, die allmählich die Führung im Leben übernimmt.

Der Schüler einer Mysterienschule geht alle drei Wege des Lernens, nicht hintereinander, sondern gleichzeitig und im Wechsel.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in den Seminarteilen 5, Die Bedeutung der Persönlichkeit, und 6, Die Lehre und der Weg.

[Redaktion]

Zum 5. Seminarteil: Die Bedeutung der Persönlichkeit

Januskopf
Januskopf

„Lässt ein Mensch aber die geistige Welt in sich zu und erkennt sie als das Absolute, so kommt alles Natürliche an seinen richtigen Platz, wird neu geordnet und wird zum Ausdruck des Geistigen“.

Quelle: Gnosis als innerliche Religion, DRP Verlag 1997, Kristallreihe Nr. 5

Der fünfte Teil des Online-Seminars behandelt die Bedeutung der Persönlichkeit. Hier finden Sie weitere Blog-Beiträge zum Stichwort Persönlichkeit.

Sein und Schein: Unterscheidung der Ebenen

Niemand kann sich den stets stärker einstrahlenden Schwingungen des Aquarius-Zeitalters entziehen. Einzelne Menschen und Gruppen reagieren auf verschiedenen Ebenen auf diese Impulse. Aus Rosenkreuzer-Sicht gibt es neben der Erkenntnis, dass alles Leben im Grunde untrennbar verbunden ist, auch die ebenso wichtige Aufgabe, die Wirkungsbereiche zu unterscheiden, in denen der „Ruf“ aus der höheren/geistigen Sphäre seine Wirksamkeiten entfaltet. Nicht umsonst wird von Sein und Schein gesprochen. Der Schein wird mit der Formenwelt, mit Unvollkommenheit und Vergänglichkeit assoziiert. Die Welt des Geistes, die Ewigkeit sendet ihre Strahlung zur Menschheit – ihre Qualität ist nicht in der Zeit zu verwirklichen.

Januskopf
Januskopf

Der heutige Mensch könnte damit aufhören, den ursprünglichen Zustand des unsterblichen göttlichen Menschen in der vergänglichen Formenwelt zu imitieren. Die so ersehnte Einheit kann nicht gelingen, wenn sie auf der Basis egozentrischer Persönlichkeiten aufgebaut wird. Es geht um eine fundamentale Verwandlung jedes Einzelnen. Die Welt mit all ihren Gegensätzen ist der Schauplatz, auf dem sich diese Verwandlungsprozesse vollziehen können. Ihre Gegensätzlichkeit wird die Welt dabei nicht verlieren. Sie kann die Menschen immer wieder an das hohe Ideal der göttlichen Sphäre, dem absoluten Sein, erinnern, wird ihm in ihrer Vergänglichkeit jedoch nie entsprechen.

Eine ausführlichere Darstellung zu diesem Thema finden Sie im zweiten Seminarteil: „Der Mensch in zwei Welten“.

Das Leben ist all die Mühen wert, wenn der Mensch eine Brücke bildet zwischen Zeit und Ewigkeit. Die geistige Sphäre braucht Formen und menschliche Herzen, Häupter und Hände, um sich in der Welt offenbaren zu können. Diese Formen werden jedoch immer nur unvollkommene und vorübergehende Werkzeuge sein, niemals Selbstzweck.

[Redaktion]

Das Licht strahlt in den Mikrokosmos

Im dritten Seminarteil, Der Mensch, ein vielschichtiges Wesen“, ist vom Mikrokosmos die Rede: dem unsterblichen Teil des menschlichen Systems, in dem die Essenz der Erfahrungen der vorangegangenen Inkarnationen aufgezeichnet ist. Den Mikrokosmos kann man als System energetischer Kraftlinien sehen, das den physisch sichtbaren Menschen wie eine Kugel umgibt.

Alfred BastDas Bewusstsein wirkt wie ein Scheinwerfer, der bei den Wendungen des Lebens den Fokus mal auf diesen, mal auf jenen Aspekt in dieser Kugel richtet. Ein Anzeichen wachsenden Bewusstseins liegt darin, nicht mehr wie ein Automat die inneren Impulse ausleben zu müssen, die dem Menschen gerade vom Scheinwerfer gezeigt werden. So muss der Sucher nicht (mehr) von einem Extrem zum anderen pendeln. Der Lichtkegel wird breiter – der Mensch erkennt eine größere Bandbreite dessen, was in ihm angelegt ist. Dazu zählt einerseits all das Irdische – scheinbar „Dunkles“ ebenso wie scheinbar „Helles“; Eitelkeit, Stolz, Boshaftigkeit ebenso wie Güte, Freundlichkeit und Nachgiebigkeit. Beide Seiten können der Selbstbehauptung dienen. Auf einer ganz anderen Ebene, jenseits aller Polarität, wirkt das Göttliche im Menschen, der Geistfunken. Er kann nicht „gesehen“ oder „ergriffen“ werden, er „gehört“ dem Menschen nicht, aber seine Wirksamkeit ist erfahrbar.

Der Mensch lernt, die verschiedenen Ebenen des Lebens in sich zu unterscheiden, zu verstehen und zu akzeptieren – ohne gegen irgend etwas ankämpfen zu müssen.

Er wird zum Beobachter, der seine Aufmerksamkeit zunehmend auf den Urquell allen Lebens richtet. Dabei verabschiedet er sich von seiner bisherigen, begrenzten Sichtweise und seinen Urteilen.

[Redaktion]

Die Geburt Christi im Menschen

Eine Ergänzung zum fünften Seminarteil, „Die Bedeutung der Persönlichkeit:

„Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir, so wärst du doch verloren.“

(Angelus Silesius/Johann Scheffler, 1624-1677)

Der Mystiker sagt deutlich, dass der Christus im Menschen geboren werden muss. Anscheinend reicht es nicht aus, dass Jesus (später Jesus der Christus genannt) vor 2000 Jahren in Bethlehem geboren wurde, stellvertretend für die Sünden der Menschheit gestorben ist und dadurch zukünftig die Menschen erlöst werden. Diese sind dennoch verloren in dem Sinn, dass sie solange immer wieder inkarnieren müssen, bis in ihrem eigenen System, dem Mikrokosmos, Christus geboren wird. Wie geschieht das?

Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche

Jeder muss auf der Basis des Geistkerns in seinem Inneren den spirituellen Weg selbst gehen. In diesem Prozess der tiefgreifenden Veränderung wird dann der Christus im Menschen „geboren“. Das bedeutet, dass Jesus, die neue Beseelung im Menschen, vom göttlichen Geist berührt werden kann und dadurch zu Jesus Christus, zur Geist-Seele, wird. Ein Mensch mit solch einer neuen Seele, die den Schwingungen des Geistes entsprechen kann, ist nicht „verloren“ im Kreislauf von Geburt und Tod, sondern wird am Ende seines Weges in die göttliche Sphäre enthoben.

[Redaktion]