Schlagwort-Archiv: Ego

Drei Wege des Lernens

Der chinesische Philosoph Konfuzius sagt:

„Es gibt drei Wege des Lernens:

  1. durch Nachahmung, das ist der einfachste,

  2. durch Einsicht, das ist der schwierigste,

  3. durch eigene Erfahrung, das ist der bitterste“.

Wer einen spirituellen Weg betritt, lernt natürlicherweise zuerst durch Nachahmung. Sei es, dass  er seine Weggenossen beobachtet oder die Anweisungen eines Lehrers befolgt und ausführt. Learning by doing.

SchmetterlingNach und nach entsteht ein Begreifen der Lehren und der Praxis des Schülerweges. Die Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens, der Welt und der Menschheit wächst und vertieft sich. Dadurch werden häufig die eigenen Anschauungen, Werte und Maßstäbe in Frage gestellt. Nun gilt es, diese loszulassen oder umzuformen und die neuen Vorgaben anzunehmen. Nicht so leicht fällt es, die gewonnenen Einsichten in die Tat umzusetzen. Was der Kopf begreift, benötigt manchmal einen langen Weg bis in ein verändertes Handeln. Die Korrekturen im Denken können letztlich nicht von denen des Empfindens und Handelns getrennt werden.

Auf dem spirituellen Weg macht der Schüler vielfältige Erfahrungen: mit seinen Mitschülern, mit dem Gruppengeschehen, mit den äußeren Veränderungen seines  Lebens und mit sich selbst, genauer: mit dem inneren Auf und Ab, das Ringen mit den Widerständen, das Fallen und wieder Aufstehen. Je mehr sich die geistige Kraft in seinem Lebenssystem ausbreitet, desto deutlicher erkennt der Schüler seine Selbstbehauptung, seinen Selbstbetrug, seine Egozentrik. Das ist schmerzhaft. Doch auch die bittersten Erfahrungen verwandeln sich in Freude, wenn der Schüler bereit ist, sich vollkommen der innerlichen geistigen Kraft zu übergeben. Sie manifestiert sich in der erneuerten Seele, die allmählich die Führung im Leben übernimmt.

Der Schüler einer Mysterienschule geht alle drei Wege des Lernens, nicht hintereinander, sondern gleichzeitig und im Wechsel.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in den Seminarteilen 5, Die Bedeutung der Persönlichkeit, und 6, Die Lehre und der Weg.

[Redaktion]

Sein und Schein: Unterscheidung der Ebenen

Niemand kann sich den stets stärker einstrahlenden Schwingungen des Aquarius-Zeitalters entziehen. Einzelne Menschen und Gruppen reagieren auf verschiedenen Ebenen auf diese Impulse. Aus Rosenkreuzer-Sicht gibt es neben der Erkenntnis, dass alles Leben im Grunde untrennbar verbunden ist, auch die ebenso wichtige Aufgabe, die Wirkungsbereiche zu unterscheiden, in denen der „Ruf“ aus der höheren/geistigen Sphäre seine Wirksamkeiten entfaltet. Nicht umsonst wird von Sein und Schein gesprochen. Der Schein wird mit der Formenwelt, mit Unvollkommenheit und Vergänglichkeit assoziiert. Die Welt des Geistes, die Ewigkeit sendet ihre Strahlung zur Menschheit – ihre Qualität ist nicht in der Zeit zu verwirklichen.

Januskopf
Januskopf

Der heutige Mensch könnte damit aufhören, den ursprünglichen Zustand des unsterblichen göttlichen Menschen in der vergänglichen Formenwelt zu imitieren. Die so ersehnte Einheit kann nicht gelingen, wenn sie auf der Basis egozentrischer Persönlichkeiten aufgebaut wird. Es geht um eine fundamentale Verwandlung jedes Einzelnen. Die Welt mit all ihren Gegensätzen ist der Schauplatz, auf dem sich diese Verwandlungsprozesse vollziehen können. Ihre Gegensätzlichkeit wird die Welt dabei nicht verlieren. Sie kann die Menschen immer wieder an das hohe Ideal der göttlichen Sphäre, dem absoluten Sein, erinnern, wird ihm in ihrer Vergänglichkeit jedoch nie entsprechen.

Eine ausführlichere Darstellung zu diesem Thema finden Sie im zweiten Seminarteil: „Der Mensch in zwei Welten“.

Das Leben ist all die Mühen wert, wenn der Mensch eine Brücke bildet zwischen Zeit und Ewigkeit. Die geistige Sphäre braucht Formen und menschliche Herzen, Häupter und Hände, um sich in der Welt offenbaren zu können. Diese Formen werden jedoch immer nur unvollkommene und vorübergehende Werkzeuge sein, niemals Selbstzweck.

[Redaktion]

Kalender-Spruch Februar 2016

Gott hat den Menschen nur entworfen; auf der Erde erschafft sich jeder selbst.

Ein Entwurf ist etwas Vorläufiges, etwas, das noch verändert oder ergänzt werden kann.

Allerdings ist nicht vorstellbar, dass „Gott“ etwas Provisorisches, Unvollendetes erschafft. Wenn man sich zum Beispiel die Genialität und perfekte Gestaltung und Funktionsweise des menschlichen Körpers betrachtet, ist wohl etwas anderes gemeint.

Das menschliche Wesen – die Persönlichkeit, ihre drei Energiekörper und der geistige Kern – sind eine Dreieinheit in höchster Vollendung und Harmonie. Entwurf bedeutet demnach: der irdische Mensch hat die Freiheit, sich in jeder denkbaren Weise und Richtung zu entwickeln. Die göttliche Liebe ist so groß, dass der Mensch unter anderem auch den freien Willen zu seiner Entfaltung erhalten hat.

Januskopf
Januskopf

Er kann sich dem göttlichen Ebenbild in der Mitte seines Wesens zuwenden oder sich von seinem Ego beherrschen lassen. Im ersten Fall besteht das Ziel darin, an der Entfaltung und Verwirklichung seines wahren Selbst mitzuarbeiten. Im zweiten Fall steht die Selbstverwirklichung der Persönlichkeit unter Federführung des Ich im Vordergrund.

Lässt ein Mensch den göttlichen Entwurf für den ursprünglichen wahren Menschen durch die ihm innewohnende Matrix zu Realität werden, wird er durch geistige Kräfte nach Seele, Geist und Körper vollendet.

[Redaktion]

Frei-Raum für alles, was da kommen kann

Je mehr Hingabe mir möglich ist  –  „Herr was willst Du, was ich tun soll ? –   Dein Wille geschehe“   –  um so mehr kann ich wahrnehmen, um so mehr wird mir bewusst. Für mich ist es wie ein Geschenk, für das ich bereit bin (nicht mehr und nicht weniger).

Gesicht IntuitionIm Alltag läuft es für mich so am besten ab, wenn ich für eine Situation alles tue, was ich kann (und wie ich es im Moment kann), mit dem Gedanken, dass meine Handlung oder mein Verhalten so sein sollte, wie es für alle Beteiligten am besten ist. Dann lasse ich es los und sehe was kommt. Also möglichst ohne feste Vorstellungen, wie etwas zu sein hat. Das heißt, ich gebe den Raum frei für Alles was da kommen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn mir das gelingt, dann geschehen reine Wunder, denn es geschehen Dinge, die ich mir in meiner begrenzten Vorstellung niemals hätte wünschen oder auch nur ausdenken können.

Also dadurch, dass ich mich mit diesem vollkommenen Vertrauen, dass alles was geschieht absolut richtig ist, hingeben oder öffnen kann, entsteht das Vollkommene! Im Kleinen wie im Großen, auf allen Ebenen. Dazu ist es aber nötig, dass ich mir das immer wieder ins Bewusstsein hebe.

Natürlich stehen mir auch oft meine Gefühle oder mein Denken im Wege aber der Prozess findet statt.

Die Wahrnehmung der Intuition ist für mich wie ein Blitzgedanke im Herzen. Die Handlung kann nicht willentlich geschehen. Ich glaube das Handeln der Intuition entsprechend kann nur spontan geschehen, wenn es im Bewusstsein verankert ist. Wenn mein Ego-Wille dazwischen steht funktioniert es nicht.

[Frau D.]

Natürliche und göttliche Intuition

Natürliche Intuition

Es gibt für mich im Alltag zwei Möglichkeiten, wie ich an eine äußere Situation oder Anforderung herangehe:

  • entweder ganzheitlich, spontan; typisch für die Funktion der rechten Hirnhälfte; oder
  • analytisch, planmäßig, strukturiert, was der Funktion der linken Hirnhälfte entspricht.

Der Begriff „Intuition“ beschreibt die erste Möglichkeit der Herangehensweise, während die zweite Art mit „Rationalität“ gekennzeichnet werden kann.

Gesicht IntuitionIntuition steht demnach im Gegensatz zu einem Handeln, dem ein systematischer, bewusster und linearer Denkprozess vorausgeht. Sie ist für mich eine Aktion, ohne vorherige Reflexion, ein spontanes Handeln aufgrund eines unmittelbaren, empfindungsmäßigen, mehrdimensionalen Erfassens. Das Wesentliche (z.B. einer Situation, eines Menschen) wird von innen gleichsam erspürt. Es ist ein inneres, ätherisches Wahrnehmen einer äußeren Realität und ein Handeln daraus. Der Kontext ist eine bestimmte geistige oder moralisch-ethische Grundhaltung.

Der Verstand kann in diesem Geschehen eine dienende, unterstützende Funktion einnehmen, kann aber auch als störende, hemmende Kraft wirken.

Auf der Ebene der Persönlichkeit erleben wir also ein Erkennen und Handeln im Spannungsfeld von ganzheitlich/spontan und analytisch/systematisch.

Göttliche Intuition

„Göttliche Intuition“ ist für mich die Erfahrung einer „inneren Stimme“. Sie teilt sich der Persönlichkeit mit, ist aber nicht Teil der Persönlichkeit. Sie kann als ein plötzliches inneres Erkennen, als ein blitzartiges Erleuchtetsein, das aus dem tiefsten Wesen des Menschen auftaucht, erlebt werden. Sie schenkt Einsichten und Antworten auf suchende Fragen, die den inneren Weg betreffen. Sie zeugt von einer Dimension im Menschen, die außerhalb und unabhängig von seiner zeiträumlichen Natur existiert.

Neben diesen meist selteneren, sich deutlich abhebenden kurzen Momenten kann sich diese Stimme sehr leise, z.B. als eine innere Resonanz beim Lesen gnostischer Texte und bei Tempeldiensten oder als innere Führung bezüglich des nächsten Schrittes auf dem Pfad und auch als warnendes „Stopp“ in Augenblicken der Versuchung melden.

Intuition in diesem Sinne ist vor allem im Herzen erfahrbar und führt zur Glaubensgewissheit und innerer Klarheit bezüglich des spirituellen Weges.

Vergleich

Natürliche Intuition im Alltag hat als Basis das Ich, das bestimmte Absichten und Ziele verfolgt. Akteur ist die Persönlichkeit. Das Handeln daraus dient der Bewältigung des persönlichen Lebens.

Göttliche Intuition kommt aus dem tiefsten, unbegrenzten Wesen des Menschen und setzt eine suchende, das Ich negierende Lebenshaltung voraus. Akteur ist das Göttliche Wesen im Menschen. Ein Handeln daraus dient dem Weg der Befreiung des Mikrokosmos aus der natürlichen, d. h. vergänglichen  Natur.

[Frau G.]

Was ist Disziplin?

Hugo Stein, Prag: Der Golem
Hugo Stein, Prag: Der Golem

Das Nachdenken darüber führt mich zu der Frage:

Wieviel Ego möchte ich meinen Mitmenschen zumuten?

Das bedeutet doch, dass ich mich selbst in meinem Tun und Lassen beobachte und dadurch das Maß der Selbstbehauptung vermindern kann, also auf diese Weise zu Selbst-Disziplin gelange. Denn egozentrisches Verhalten ist in den allermeisten Fällen der Auslöser für Konflikte, für Probleme und Schwierigkeiten mit anderen.

Disziplin ist demnach Arbeit an sich selbst, Einsicht zu gewinnen bis in die Tiefen des eigenen Wesens, wo die Kräfte des Ichs rumoren. Diese Selbsterkenntnis kann der Beginn eines spirituellen Weges sein, der aus dem „disziplinlosen“ Leben herausführt.

[Redaktion]

Vom Loslassen und Aufgeben

Eine Forderung auf dem Pfad zum wahren Leben lautet: „Loslassen“. Zahlreiche Dichter und Schriftsteller zeugen davon. Stellvertretend sei hier nur einer genannt: der deutsche Aphoristiker Peter Rudl (geboren 1966):

Jede höhere Aufgabe lehrt loszulassen.“ 1

Klingt einfach. Ist es nicht herrlich, auf einem spirituellen Weg im Grunde gar nichts zu müssen? Es geht ja nicht um mich, sondern um den göttlichen Funken in mir, der wachsen will. Also gebe ich all mein Streben auf – und „lasse es geschehen“, indem ich dafür Raum in mir schaffe.

HändeGanz so einfach ist es wohl doch nicht, sonst wäre die Welt voller Erleuchteter. Warum ist das, was so einfach klingt, oft schwierig umzusetzen? Welche Hürden zeigen sich auf dem Pfad?

Das Ego fängt spirituelle Impulse auf und versucht, danach zu handeln. Doch es kann sich nicht selbst aufheben. Die Impulse richten sich an den Geistfunken, das Ewigkeitsprinzip im Menschen – das Ego zieht sie auf die irdische, grobstoffliche Ebene, für die sie nicht gedacht sind. Es entsteht ein Perfektionismus in der Art: Wie gerne würde ich „alles richtig machen“. Zwangsläufig erfährt der Mensch dabei Enttäuschungen. Nichts Irdisches kann dem höchsten Ideal gerecht werden – weder das eigene Streben, noch die (auch und gerade spirituell gemeinte!) Zusammenarbeit mit den Mitmenschen. Und so kommt die Persönlichkeit an einen Punkt, an dem sie die Forderung des Loslassens gerne annimmt: sich nicht mehr abmühen müssen, sich zurückziehen, sich Ruhe nehmen … Spirituelle Gruppen verlieren viele Mitstreiter auf diese Weise.

Im Tao Teh King von Lao Tse wird vom Wu Wei gesprochen, das mit Nicht-Tun übersetzt wird. Ist dieses Nicht-Tun erreicht, wenn der Mensch sich zurückzieht? Im zehnten Kapitel des Tao Teh King wird ein Mensch beschrieben, der „sein animalisches Ich dem Spirituellen unterwirft“:

„Er bringt die Dinge hervor und nährt sie.
Er bringt sie hervor, ohne sie zu besitzen.
Er vermehrt und vervielfacht sie

und rechnet nicht mit Belohnung.“

Es geht somit darum, selbstlos zu handeln. Die Dinge zu tun, die getan werden müssen  (welche das sind, ist immer wieder neu zu prüfen, und nicht aus Gewohnheit zu entscheiden!), so nüchtern wie möglich, und ohne sich an Ergebnissen zu messen.

Loszulassen heißt noch lange nicht aufzugeben. Aufzugeben noch lange nicht loszulassen, ja liegt doch darin eben gerade oft erst der Kardinalfehler, der nur notwendig zur Aufgabe führt.1

[Redaktion]

1 Quelle: aphorismen.de,  Peter Rudl