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Intuition: Spontaneität und kreative Prozesse

Was heißt es, natürlich intuitiv zu handeln?

 Was bedeutet hier „natürlich“?  –  Ist damit Spontaneität gemeint?

Dann bedeutet das für mich eine Handlungsweise, die ich in dem Moment vielleicht gar nicht erklären könnte, die sich aber richtig und stimmig anfühlt und auch vom Denkvermögen als wahr erkannt und angenommen wird – hinterher, denn so schnell ist das Denken meist nicht. Intuitives Handeln beinhaltet für mich und basiert auf einem großen Vertrauen in Werte, Kräfte und Energien, die bereit sind, sich zu offenbaren, und die nicht beiseite geschoben werden wollen.  Hier, in dieser Spontaneität, habe ich auch das Gefühl und erlebe auch, dass der Denkapparat einfach umgangen wird zugunsten einer schnellen Lösung auf der Basis höherer Seelenqualität. So gesehen scheint mir intuitives Handeln als die Umsetzung einer unbewussten Erkenntnis oder Wahrnehmung unter Nichtberücksichtigung oder Umgehung der bekannten Denkvorgänge, die mit angesammeltem Wissen und mit Erinnerungen arbeiten.

Gesicht IntuitionWobei ja auch Wissen und Erinnerungen sich immer mehr verändern und damit eine neue Betrachtungsweise möglich machen. Hier scheint mit der Zeit manches immer mehr ineinanderzugreifen, was früher durchaus unterschiedlichen Bereichen angehörte.

Wie erlebt ihr Intuition im Alltag? Wie läuft der Prozess von Wahrnehmung – Intuition –  Handeln im Bewusstsein ab?

Am deutlichsten spüre ich dies intuitive Geschehen, wenn ich ein Gedicht schreibe oder male, also in kreativen Prozessen. Das kann so weit gehen, dass wie aus einem geöffneten Wasserhahn die Worte herausfließen oder das Bild sich malt. Wobei ich trotzdem das Empfinden habe, ohne meinen Wortschatz oder mein Wissen von z. B. Farbmischungen und Techniken könnte nicht zustande kommen, was dann entsteht. Wir stellen uns einander zur Verfügung. Und manchmal denke ich, das kann gar nicht allein aus mir heraus kommen. Das ist eine Inspiration aus trans- oder suprapersonalen Ebenen, die durch mein in dem Moment transparent gewordenes Tagesbewusstsein einfließt.

[Frau A.]

Drei Wege des Lernens

Der chinesische Philosoph Konfuzius sagt:

„Es gibt drei Wege des Lernens:

  1. durch Nachahmung, das ist der einfachste,

  2. durch Einsicht, das ist der schwierigste,

  3. durch eigene Erfahrung, das ist der bitterste“.

Wer einen spirituellen Weg betritt, lernt natürlicherweise zuerst durch Nachahmung. Sei es, dass  er seine Weggenossen beobachtet oder die Anweisungen eines Lehrers befolgt und ausführt. Learning by doing.

SchmetterlingNach und nach entsteht ein Begreifen der Lehren und der Praxis des Schülerweges. Die Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens, der Welt und der Menschheit wächst und vertieft sich. Dadurch werden häufig die eigenen Anschauungen, Werte und Maßstäbe in Frage gestellt. Nun gilt es, diese loszulassen oder umzuformen und die neuen Vorgaben anzunehmen. Nicht so leicht fällt es, die gewonnenen Einsichten in die Tat umzusetzen. Was der Kopf begreift, benötigt manchmal einen langen Weg bis in ein verändertes Handeln. Die Korrekturen im Denken können letztlich nicht von denen des Empfindens und Handelns getrennt werden.

Auf dem spirituellen Weg macht der Schüler vielfältige Erfahrungen: mit seinen Mitschülern, mit dem Gruppengeschehen, mit den äußeren Veränderungen seines  Lebens und mit sich selbst, genauer: mit dem inneren Auf und Ab, das Ringen mit den Widerständen, das Fallen und wieder Aufstehen. Je mehr sich die geistige Kraft in seinem Lebenssystem ausbreitet, desto deutlicher erkennt der Schüler seine Selbstbehauptung, seinen Selbstbetrug, seine Egozentrik. Das ist schmerzhaft. Doch auch die bittersten Erfahrungen verwandeln sich in Freude, wenn der Schüler bereit ist, sich vollkommen der innerlichen geistigen Kraft zu übergeben. Sie manifestiert sich in der erneuerten Seele, die allmählich die Führung im Leben übernimmt.

Der Schüler einer Mysterienschule geht alle drei Wege des Lernens, nicht hintereinander, sondern gleichzeitig und im Wechsel.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in den Seminarteilen 5, Die Bedeutung der Persönlichkeit, und 6, Die Lehre und der Weg.

[Redaktion]

Natürliche und göttliche Intuition

Natürliche Intuition

Es gibt für mich im Alltag zwei Möglichkeiten, wie ich an eine äußere Situation oder Anforderung herangehe:

  • entweder ganzheitlich, spontan; typisch für die Funktion der rechten Hirnhälfte; oder
  • analytisch, planmäßig, strukturiert, was der Funktion der linken Hirnhälfte entspricht.

Der Begriff „Intuition“ beschreibt die erste Möglichkeit der Herangehensweise, während die zweite Art mit „Rationalität“ gekennzeichnet werden kann.

Gesicht IntuitionIntuition steht demnach im Gegensatz zu einem Handeln, dem ein systematischer, bewusster und linearer Denkprozess vorausgeht. Sie ist für mich eine Aktion, ohne vorherige Reflexion, ein spontanes Handeln aufgrund eines unmittelbaren, empfindungsmäßigen, mehrdimensionalen Erfassens. Das Wesentliche (z.B. einer Situation, eines Menschen) wird von innen gleichsam erspürt. Es ist ein inneres, ätherisches Wahrnehmen einer äußeren Realität und ein Handeln daraus. Der Kontext ist eine bestimmte geistige oder moralisch-ethische Grundhaltung.

Der Verstand kann in diesem Geschehen eine dienende, unterstützende Funktion einnehmen, kann aber auch als störende, hemmende Kraft wirken.

Auf der Ebene der Persönlichkeit erleben wir also ein Erkennen und Handeln im Spannungsfeld von ganzheitlich/spontan und analytisch/systematisch.

Göttliche Intuition

„Göttliche Intuition“ ist für mich die Erfahrung einer „inneren Stimme“. Sie teilt sich der Persönlichkeit mit, ist aber nicht Teil der Persönlichkeit. Sie kann als ein plötzliches inneres Erkennen, als ein blitzartiges Erleuchtetsein, das aus dem tiefsten Wesen des Menschen auftaucht, erlebt werden. Sie schenkt Einsichten und Antworten auf suchende Fragen, die den inneren Weg betreffen. Sie zeugt von einer Dimension im Menschen, die außerhalb und unabhängig von seiner zeiträumlichen Natur existiert.

Neben diesen meist selteneren, sich deutlich abhebenden kurzen Momenten kann sich diese Stimme sehr leise, z.B. als eine innere Resonanz beim Lesen gnostischer Texte und bei Tempeldiensten oder als innere Führung bezüglich des nächsten Schrittes auf dem Pfad und auch als warnendes „Stopp“ in Augenblicken der Versuchung melden.

Intuition in diesem Sinne ist vor allem im Herzen erfahrbar und führt zur Glaubensgewissheit und innerer Klarheit bezüglich des spirituellen Weges.

Vergleich

Natürliche Intuition im Alltag hat als Basis das Ich, das bestimmte Absichten und Ziele verfolgt. Akteur ist die Persönlichkeit. Das Handeln daraus dient der Bewältigung des persönlichen Lebens.

Göttliche Intuition kommt aus dem tiefsten, unbegrenzten Wesen des Menschen und setzt eine suchende, das Ich negierende Lebenshaltung voraus. Akteur ist das Göttliche Wesen im Menschen. Ein Handeln daraus dient dem Weg der Befreiung des Mikrokosmos aus der natürlichen, d. h. vergänglichen  Natur.

[Frau G.]

Intuition: Die göttliche Gabe und ihr Diener

Wie erlebe ich Intuition?

Unser Handeln basiert auf Intuition. Im täglichen Leben erfahrbar, z.B. im persönlichen Umfeld entsteht ein Bedürfnis. Intuitiv teilt sich dies mit und man handelt entsprechend. Voraussetzung ist natürlich, dass man emotional mit dieser Person oder dem Umfeld verbunden ist.

Im übertragenen Sinn kann auch eine göttliche Intuition den Menschen erreichen, wenn das Innerste darauf gerichtet ist.

Dann fand ich noch einen schönen Spruch von Albert Einstein:

Gesicht IntuitionDie Intuition ist ein göttliches Geschenk,
der denkende Verstand ein treuer Diener.
Es ist paradox, dass wir heutzutage angefangen haben,
den Diener zu verehren
und die göttliche Gabe zu entweihen!

[Frau H.]