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Über die Welt hinaus: Die persönliche und die spirituelle Biografie

In der Reihe Über die Welt hinaus wird in fünf Teilen eine idealtypische, zweifache Biografie geschildert. Sie beschreibt sowohl den gewöhnlichen Lebensweg als auch den potentiell befreienden, spirituellen Weg.

Januskopf
Januskopf

Der sterbliche und der ewige Mensch sind wie ein Geschwisterpaar, verschieden und doch eng miteinander verbunden. Sie sind in einem gemeinsamen Gefährt, dem Körper, unterwegs. Meistens übernimmt der Sterbliche das Steuer. Doch wenn das Ewigkeitswesen sich in einer Persönlichkeit Gehör verschafft, ändert sich die Lebensrichtung für beide.

In der zweifachen Biografie geht es um zwei unterschiedliche Zustände des Menschseins, um zwei verschiedene Arten zu leben und um zwei andersartige Lebenswelten.
Es gibt den ewigen Menschen, den Sohn des göttlichen Vaters und den sterblichen, irdischen Menschen, der seine göttliche Herkunft vergessen hat. Beide gehören für die Dauer eines Menschenlebens zusammen.

Entscheidend ist, welcher der beiden Geschwister den Lebensweg bestimmt. Den Weg bestimmt immer derjenige, der wach ist, der andere muss mitgehen. In dieser Welt ist die Persönlichkeit mit ihrem Ichbewusstsein wach. Wenn jedoch der Geist im Menschen erwacht, dann begibt er sich auf die geistigen Pfade, und die Persönlichkeit wird ihm folgen.

Der Zustand und die Lebenswelt des Menschen hängen davon ab, welche Lebenswirklichkeit ihm bewusst ist. Solange er seinen geistigen Ursprung vergessen hat, lebt er in seiner sterblichen Existenz. Sobald er sich wieder erinnert, beginnt ein Bewusstwerdungsprozess, eine Höherentwicklung der Seele, die ihn schließlich in die Welt des Geistes zurückführt.

In nächster Zeit folgen nach und nach einige Texte zur „Zweifachen Biografie“ des Menschen.

Das Geheimnis des Herzens, Teil 2: Das Herz – ein Heiligtum?

Dieses Sehnen nach dem Unirdischen, Unsagbaren gab es zu allen Zeiten.

In der Schule des Rosenkreuzes wird diese Art des Begehrens nach Höherem, nach Erfüllung und Vollendung, „Heilbegehren“ genannt. Es ist der innige Wunsch, wieder heil, ganz, vollkommen zu werden. Das Herz ist dann nicht nur eine Begierdenhöhle, sondern auch ein Heiligtum, in dem sich göttliche Kräfte manifestieren können.

RosenherzDas Herz als Mitte des Menschen erfüllt mehrere Aufgaben: es ist der „Motor“ des körperlichen Lebens, das Zentrum der Seelenkräfte und die Eingangspforte für die Schwingungen des Geistes. So gruppieren und vereinigen sich letztlich die Wirksamkeiten von Körper, Seele und Geist im Herzen.

Nun kommt es darauf an, welcher Stimme wir Gehör schenken. Lassen wir uns vom irdischen Begierdenstrom mitreißen oder folgen wir unserer Sehnsucht, das Übernatürliche zu erfahren? Hier gilt, wie es im Evangelium heißt: „ Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz“.

Vielleicht beginnen wir zu begreifen, dass diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen nicht aus uns selbst kommt, sondern von einer Instanz im Herzen ausgeht, die das Geistige kennt und danach strebt, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Auch hier erhalten wir einen Hinweis im Evangelium: „Das Königreich Gottes ist in euch, es ist euch näher als Hände und Füße“.

Es befindet sich also in der Mitte des Menschen. Aber die göttliche Welt liegt zunächst nur als ein schlafendes Prinzip im menschlichen Herzen verborgen.

Wie ein Samenkorn kommt es zu Wachstum und Reife, wenn wir ihm Pflege und Nahrung zur Verfügung stellen. Wenn der göttliche Kern im Herzen sich entfaltet, wird nach und nach unsere tiefste Sehnsucht gestillt, der Mangel wird bleibend behoben. Das Herz wird zum Tempel des Geistes. Unser Herzenswunsch wird erfüllt.

Das Reich des Kaisers und das Reich Gottes (Spiritualität und Gesetz, Teil 2)

Wenn man die Evangelien im Neuen Testament als Beschreibungen eines spirituellen Weges liest, kann der folgende Spruch eine Orientierung geben.

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“.
(Matt. 22,21)

 

Greif
Greif

Hier werden zwei unterschiedliche Dimensionen angesprochen: das „Reich des Kaisers“ und das „Reich Gottes“. Kaiser und Gott symbolisieren zwei ganz unterschiedliche Welten. Der Kaiser steht für das Außen, zum Beispiel für die Regierung, für die Familie, für das tägliche Leben. Gott steht für das Innen des Menschen, für die geistigen Dinge, für ein spirituelles Leben.

Der Spruch macht deutlich, dass der Kaiser die Rahmenbedingungen für das irdische Leben vorgibt. Er fordert seinen Tribut, eine Art Steuer, zum Beispiel muss man für den Lebensunterhalt sorgen, sich um die Familie kümmern, soziale Verpflichtungen verantwortungsvoll erfüllen. Und sogar das Leben wird am Ende durch den Tod zurückgefordert.

Was muss man Gott, dem Geist „geben“? Der Mensch, der einen spirituellen Weg beginnt,  „schenkt“ Gott sein Herz und seine Hingabe. Er sehnt sich nach Erlösung und Befreiung. Mehr und mehr wird er Erkenntnis in Lebenspraxis umsetzen. Später wird er auf der Basis seines erneuerten Seelenbewusstseins alle Menschen in ihrem spirituellen Streben unterstützen wollen.

Äußere und innere Gesetze

Das Verhältnis zwischen irdischen Erfordernissen und spirituellem Streben bilden keinen Gegensatz. Als Doppelwesen lebt der Mensch in zwei Welten gleichzeitig. Er besitzt eine sterbliche Persönlichkeit und einen unsterblichen Geistkern, aus dem sich durch ein spirituelles Leben einmal der geistige Mensch entwickeln kann.

Der Spruch „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ dient vor allem dazu, dass das Außen und Innen nicht verwechselt wird. Mit den Dingen dieser Welt kann Gott nichts anfangen und umgekehrt, die inneren, geistigen Werte sind nur für den  spirituellen Menschen bestimmt, nicht für das äußere Leben.

Jede Art spiritueller Entwicklung, auch das Schülertum in der Geistesschule des Rosenkreuzes, gründet sich auf geistige Gesetzmäßigkeiten. Sie sind in spirituellen Texten überliefert und werden durch die Erfahrungswerte von Menschen, die den Weg bereits in früheren Zeiten gegangen sind, untermauert.

Die Empfehlung, zum Beispiel Fleisch, Alkohol und Tabak zu vermeiden, bezieht sich auf die Reinigung des Körpers der Persönlichkeit. Die Geburt und das Wachstum der neuen Seele werden gefördert, wenn der Schüler sich bemüht, auf seine Gedanken und Gefühle zu achten und sich immer wieder in die Stille begibt. Um solch eine Lebenshaltung in der Praxis des täglichen Lebens aufrechtzuerhalten, benötigt der Schüler ein geistiges Fundament. Durch den Besuch von Tempeldiensten erhält der göttliche Funke im Herzen genügend gnostische Lichtkraft, um alle Prozesse der Transformation im Mikrokosmos durchzuführen zu können.

Im 3. Teil geht es um das „Gesetz des Herzens“.

Kalender-Spruch September 2016

„Ein Mensch ohne Freund ist wie die linke Hand ohne die rechte Hand.“

aus Afrika

HändeDer Mensch wird mit einer linken und einer rechten Hand geboren. Ohne einen Freund ist er unvollständig, nur ein halber Mensch, sagt das Sprichwort.

Was die persönlichen sozialen Beziehungen angeht, so ist Freundschaft zu einem oder mehreren Menschen etwas sehr Wertvolles. Aber es gibt auch einsame Mitmenschen, die ohne Freunde leben müssen.

Wer in einer Gruppe einen spirituellen Weg geht, mag äußerlich betrachtet, ohne Freunde sein – auf der Ebene der Seele und des Geistes ist er mit allen Gruppenmitgliedern in einer Art höherer Freundschaft verbunden. Das ist das wesentliche Merkmal einer spirituellen Gruppe. Denn die gemeinsame Ausrichtung auf das geistige Ziel lässt die Gruppen-mitglieder energetisch gleichartig schwingen. Sie sind wie die Zellen eines Körpers, eines Organismus, wo alles aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden ist.

Basierend auf dem Begriff Bruderschaft der klassischen Rosenkreuzer des Mittelalters sind auch heute alle Schülerinnen und Schüler zur Bruderschaft des Rosenkreuzes im Lectorium Rosicrucianum vereint. Sie fühlen sich als Brüder und Schwestern im Geist, unabhängig davon, ob sie persönlich befreundet sind oder nicht.

Kalender-Spruch Mai 2016

Boot_Sommerakademie„Stoß nicht mit dem Fuß den Einbaum weg, der dich zum Ufer gebracht hat.“

(aus Afrika)

Allgemein gesprochen geht es darum, dass wir die Hilfen, die wir im Leben erhalten, als solche würdigen und nicht entwerten, sondern dankbar dafür sind. Zum Beispiel kann ein Erwachsener seine alten Eltern darin unterstützen, in Ruhe und Würde alt zu werden.

Wer einen spirituellen Weg geht, benötigt dazu ein Fahrzeug. Die Persönlichkeit ist der Einbaum. Mit ihr reisen wir dem geistigen Ziel entgegen. Die Persönlichkeit mit ihren drei feinstofflichen Umhüllungen bildet mit Seele und Geist eine untrennbare Einheit im menschlichen Lebenssystem, im Mikro-Kosmos. Auch wenn der Stoffkörper eines Tages stirbt, dient er bis dahin als Instrument, um mit Hilfe der fünf Sinne Erfahrungen in dieser Welt zu machen. Sie bilden die Grundlage, um zur Welt- und Selbsterkenntnis zu gelangen und damit zur Bewusstseinsveränderung im Sinn einer Höherentwicklung.

Die Persönlichkeit verschafft uns die äußeren Möglichkeiten, den Pfad des Mysterienschülers praktisch zu gehen, zum Beispiel um spirituelle Zusammenkünfte und Tempeldienste zu besuchen. Sie trägt den Mikro-Kosmos über die Lebenssee – bis zum Ziel. Es ist das Ufer des göttlichen Gebietes, wo sich das erneuerte Seelenbewusstsein und der Geist begegnen.

Im 5. Teil des Online-Seminars wird die Bedeutung der Persönlichkeit ausführlich erörtert.

[Redaktion]

Die Seele des Kindes – Lebensstufen und Wandlungen – Birnbach, 6.3.2016

Die Seele des KindesBei jeder Geburt berührt uns ein Wunder. Schöpferische Kräfte sind am Werk und bilden einen Menschen heran. Ihr Reichtum, ihre Intelligenz und ihre Tiefe zeigen sich in der Art, wie sich der Körper und die Seele entfalten.

In Kurzvorträgen und Workshops geht es um das Potenzial und die Entwicklungsphasen des Kindes. Sie enthalten die Perspektiven für die Zukunft – des Kindes, der Eltern, der Erzieher, der Gesellschaft.

Hier finden Sie Details  zum Programm (Zeitplan) und zur Anmeldung.

Kalender-Spruch Februar 2016

Gott hat den Menschen nur entworfen; auf der Erde erschafft sich jeder selbst.

Ein Entwurf ist etwas Vorläufiges, etwas, das noch verändert oder ergänzt werden kann.

Allerdings ist nicht vorstellbar, dass „Gott“ etwas Provisorisches, Unvollendetes erschafft. Wenn man sich zum Beispiel die Genialität und perfekte Gestaltung und Funktionsweise des menschlichen Körpers betrachtet, ist wohl etwas anderes gemeint.

Das menschliche Wesen – die Persönlichkeit, ihre drei Energiekörper und der geistige Kern – sind eine Dreieinheit in höchster Vollendung und Harmonie. Entwurf bedeutet demnach: der irdische Mensch hat die Freiheit, sich in jeder denkbaren Weise und Richtung zu entwickeln. Die göttliche Liebe ist so groß, dass der Mensch unter anderem auch den freien Willen zu seiner Entfaltung erhalten hat.

Januskopf
Januskopf

Er kann sich dem göttlichen Ebenbild in der Mitte seines Wesens zuwenden oder sich von seinem Ego beherrschen lassen. Im ersten Fall besteht das Ziel darin, an der Entfaltung und Verwirklichung seines wahren Selbst mitzuarbeiten. Im zweiten Fall steht die Selbstverwirklichung der Persönlichkeit unter Federführung des Ich im Vordergrund.

Lässt ein Mensch den göttlichen Entwurf für den ursprünglichen wahren Menschen durch die ihm innewohnende Matrix zu Realität werden, wird er durch geistige Kräfte nach Seele, Geist und Körper vollendet.

[Redaktion]

Mein Haus, mein Auto, … meine Seele

Gnosis - Ströme des Lichtes in EuropaKennen Sie den Werbespruch „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“? Viele spirituelle Sucher haben erkannt, dass der Sinn des Lebens nicht darin liegen kann, materielle Reichtümer anzuhäufen. Spätestens am Ende des Lebens müssen wir ohnehin alle diese Schätze preisgeben.

Doch wie steht es mit „Mein Körper, meine Seele, mein Geist“? Ist der Körper, den ich bewohne, wirklich meiner? Habe ich eine Seele? Hermes Trismegistos definierte den Körper als Eigenschaft der Seele – nicht umgekehrt!* Das Ich, das meint, über einen Körper, eine Seele und vielleicht auch noch den Geist zu verfügen, ist eine Illusion. Das trennende „Mein“ ist eine Illusion – weit über materielle Besitztümer hinaus.

*Quelle: Peter Huijs: „Gnosis – Ströme des Lichtes in Europa“, Deutsche Ausgabe von 2005, Birnbach, S. 70

[Redaktion]

Intuition im Alltag: Einkaufen und Wahr-Nehmung

Wie erlebt ihr Intuition im Alltag? Wie läuft der Prozess von Wahrnehmung – Intuition – Handeln im Bewusstsein ab? 

Intuition erlebe ich im Alltag zum Beispiel beim Einkaufen. Mein Körper weiß ziemlich genau, was er braucht und was nicht, aber oft höre ich nicht auf ihn, weil ich denke, dass ich selbst weiß, was gut ist und was nicht. Es geht immer darum, unterscheiden zu lernen. Intuitiv handelt man aber auch gerade auf sozialer Ebene  im Umgang mit Anderen – wir sind soziale Wesen (vergleichbar mit dem Tierreich).

Gesicht Intuition

Wir nehmen ständig irgendwelche Dinge wahr. Schon im Begriff „Wahrnehmung“ stecken die Wörter ‚wahr‘ und ’nehmen‘. Wahrnehmung findet auch auf unterschiedlichen Ebenen statt. Nehme ich ein Gefühl wahr, oder dass ein Käfer über meinen Arm krabbelt,  oder eine Regung in meinem  Inneren , die ich annehme und sich so im Äußeren manifestiert? Ich stelle mir das so vor, dass wenn alles im Einklang ist, eine intuitive Wahrnehmung erfolgt und man  das Angenommene für absolut wahr empfindend durch seine ganzen Vermögen (Haupt, Herz…), dass diese sich am Anfang als Intuition in einem manifestieren kann und so zur Ausprägung nach Außen (=Handlung) kommt.

[Frau K.]

Wiedergeburt von Seele und Körper

Rose in Hand„So entdecken wir, dass die in der fundamentalen Veränderung beschriebene Berührung des himmlischen Menschen sowohl die Seele als auch die Körpergestalt in einen Prozess der Wiedergeburt einbezieht. Durch die fundamentale Veränderung wird die Seele Mittler für einen befreienden Impuls, welcher der Körpergestalt übertragen wird. Die befreiende Handlung, die darauf folgt, reinigt die Seele und befähigt sie, ihrerseits von der höheren Seele, der himmlischen Gestalt im Uranus Siebenkreis, beseelt zu werden.“

Das christliche Einweihungsmysterium – Dei Gloria Intacta
Jan van Rijckenborgh