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Die persönliche und die spirituelle Biografie, Teil 1: Beginnt das Leben erst mit der Geburt?

Gemäß der üblichen Ansicht beginnt „Leben“ mit der Geburt und endet mit dem Tod. Die alte Weisheit beschreibt jedoch einen weit größeren Kreis: Den Kreislauf von Geburt und Tod, die Reise durch die Sphären von Diesseits und Jenseits. Die sterbliche Persönlichkeit lebt 70 oder 80 Jahre, sie ist ein Wesen der Zeit. Der eigentliche Mensch, der Mikrokosmos, ist unsterblich, ein Wesen der Ewigkeit. So betrachtet umfasst eine Biografie nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch Zukunft – innerhalb der zeitlosen Ewigkeit.

SphinxBei der Geburt beginnt eine Art zweifacher Biografie: Mikrokosmos und Persönlichkeit werden auf Zeit miteinander verbunden.

Dadurch kann der Mensch wählen, welches Leben er bevorzugt. Ein Leben von einigen Jahrzehnten als sterblicher Mensch oder ein Leben, das sich zu gleicher Zeit dem göttlichen Funken im Mikrokosmos zuwendet, aus dem sich im Lauf der Jahre der geistige Mensch entwickeln kann.

Beim Tod des Menschen, am Ende der „irdischen Biographie“, verbleibt der stoffliche Körper hier in dieser Natur und vergeht. Die feinstofflichen Körper, die sterbliche Seele, verflüchtigen sich nach und nach im Jenseits. Übrig bleibt ein entleerter Mikrokosmos. Zu gegebener Zeit beginnt eine erneute Inkarnation durch die Aufnahme einer werdenden Persönlichkeit.

Oder es beginnt bereits während des irdischen Lebens eine „geistige Biografie“. Das im Verlauf des spirituellen Weges neu entstandene Seelen-Bewusstsein, die unsterbliche Seele, erlangte eine Verbindung zum göttlichen Geist. Dies führte zur vollständigen Regeneration des Mikrokosmos. Zu Lebzeiten oder nach dem Verlassen der stofflichen Hülle kann er in die göttliche Sphäre eingehen. Als wahrer Mensch ist er nun befreit und verlässt endgültig das Rad von Geburt und Tod.

Über die Welt hinaus: Die persönliche und die spirituelle Biografie

In der Reihe Über die Welt hinaus wird in fünf Teilen eine idealtypische, zweifache Biografie geschildert. Sie beschreibt sowohl den gewöhnlichen Lebensweg als auch den potentiell befreienden, spirituellen Weg.

Januskopf
Januskopf

Der sterbliche und der ewige Mensch sind wie ein Geschwisterpaar, verschieden und doch eng miteinander verbunden. Sie sind in einem gemeinsamen Gefährt, dem Körper, unterwegs. Meistens übernimmt der Sterbliche das Steuer. Doch wenn das Ewigkeitswesen sich in einer Persönlichkeit Gehör verschafft, ändert sich die Lebensrichtung für beide.

In der zweifachen Biografie geht es um zwei unterschiedliche Zustände des Menschseins, um zwei verschiedene Arten zu leben und um zwei andersartige Lebenswelten.
Es gibt den ewigen Menschen, den Sohn des göttlichen Vaters und den sterblichen, irdischen Menschen, der seine göttliche Herkunft vergessen hat. Beide gehören für die Dauer eines Menschenlebens zusammen.

Entscheidend ist, welcher der beiden Geschwister den Lebensweg bestimmt. Den Weg bestimmt immer derjenige, der wach ist, der andere muss mitgehen. In dieser Welt ist die Persönlichkeit mit ihrem Ichbewusstsein wach. Wenn jedoch der Geist im Menschen erwacht, dann begibt er sich auf die geistigen Pfade, und die Persönlichkeit wird ihm folgen.

Der Zustand und die Lebenswelt des Menschen hängen davon ab, welche Lebenswirklichkeit ihm bewusst ist. Solange er seinen geistigen Ursprung vergessen hat, lebt er in seiner sterblichen Existenz. Sobald er sich wieder erinnert, beginnt ein Bewusstwerdungsprozess, eine Höherentwicklung der Seele, die ihn schließlich in die Welt des Geistes zurückführt.

In nächster Zeit folgen nach und nach einige Texte zur „Zweifachen Biografie“ des Menschen.

Glaube und Vertrauen

Glauben ist das sichere Wissen von den Dingen, die wir noch nicht sehen können. Glauben trägt etwas Unbekanntes in sich. Für unser Ich-Bewusstsein (Eigenwilligkeit, egozentrische Sicht auf die Welt) ist das ziemlich schwierig, weil es das, was außerhalb seiner Grenzen liegt, nicht kennt und deshalb nicht für möglich halten kann.

Lichtriss im UniversumDoch es kann geschehen, dass etwas, was außerhalb der Grenzen des Ich-Bewusstseins liegt, sich uns doch unmissverständlich mitteilt. Wenn wir so berührt werden, dann können wir zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Wir können an den alten Grenzen festhalten – dann ignorieren wir diese Erfahrung. Oder wir können uns für die neue Realität öffnen.

So eine Erfahrung erweitert unser Bewusstsein. Wir glauben dann an etwas, das wir bis jetzt noch nicht kannten – aber durch diese Erfahrung können wir auf die neu entdeckte Realität vertrauen.

So kann unsere eigene Erfahrung die Vertrauensbasis bilden für eine ganz andere Realität. Sogar für eine Realität, die nicht von dieser Welt ist.

Wir können auf verschiedenen Ebenen vertrauen. Die erste Ebene ist das Selbstvertrauen. Unser Selbstvertrauen wächst, wenn wir uns selbst in immer mehr Situationen treu bleiben können. Wir sind uns selbst treu, wenn unser Denken, Fühlen und Handeln zusammenpassen. Wir brauchen dann nichts anderes zu sagen als das, was wir denken oder fühlen.

Die zweite Ebene des Vertrauens erreichen wir, wenn wir uns jemandem oder etwas anvertrauen können. Manchmal enttäuschen andere Menschen unser Vertrauen. Dann finden wir Halt, indem wir uns selbst treu bleiben – der ersten Ebene.

Wir können uns auch dem Gottesfunken, dem unsterblichen Geistkern im Menschen, anvertrauen. Die Persönlichkeit lässt ihr Ich-Bewusstsein los und vertraut sich der Leitung des Gottesfunkens an. Je mehr wir uns dem Gottesfunken anvertrauen, desto mehr wächst die Neue Seele in uns.

Sie entwickelt sich aus dem Geistkern.  Auf dieser Basis  haben wir Seelen-Vertrauen gewonnen.

Wenn wir genügend lange in diesem Seelen-Vertrauen stehen, dann kann die höchste Ebene des Vertrauens entstehen, das Gott-Vertrauen. Das Gott-Vertrauen entsteht, wenn wir einsehen, dass alles, was uns geschieht, genau dazu bestimmt ist, uns so schnell wie möglich zum Licht zu führen.  Unser eigener Wille wird dann immer unwichtiger. Wenn wir uns so erheben lassen, hat der Glaube in uns das Gott-Vertrauen frei gemacht. Mögen wir in diesem Sinne immer mehr aus dem neuen Glaubenszustand leben.

[Aus einer Ansprache während einer Rosenkreuz-Konferenz]

Das Reich des Kaisers und das Reich Gottes (Spiritualität und Gesetz, Teil 2)

Wenn man die Evangelien im Neuen Testament als Beschreibungen eines spirituellen Weges liest, kann der folgende Spruch eine Orientierung geben.

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“.
(Matt. 22,21)

 

Greif
Greif

Hier werden zwei unterschiedliche Dimensionen angesprochen: das „Reich des Kaisers“ und das „Reich Gottes“. Kaiser und Gott symbolisieren zwei ganz unterschiedliche Welten. Der Kaiser steht für das Außen, zum Beispiel für die Regierung, für die Familie, für das tägliche Leben. Gott steht für das Innen des Menschen, für die geistigen Dinge, für ein spirituelles Leben.

Der Spruch macht deutlich, dass der Kaiser die Rahmenbedingungen für das irdische Leben vorgibt. Er fordert seinen Tribut, eine Art Steuer, zum Beispiel muss man für den Lebensunterhalt sorgen, sich um die Familie kümmern, soziale Verpflichtungen verantwortungsvoll erfüllen. Und sogar das Leben wird am Ende durch den Tod zurückgefordert.

Was muss man Gott, dem Geist „geben“? Der Mensch, der einen spirituellen Weg beginnt,  „schenkt“ Gott sein Herz und seine Hingabe. Er sehnt sich nach Erlösung und Befreiung. Mehr und mehr wird er Erkenntnis in Lebenspraxis umsetzen. Später wird er auf der Basis seines erneuerten Seelenbewusstseins alle Menschen in ihrem spirituellen Streben unterstützen wollen.

Äußere und innere Gesetze

Das Verhältnis zwischen irdischen Erfordernissen und spirituellem Streben bilden keinen Gegensatz. Als Doppelwesen lebt der Mensch in zwei Welten gleichzeitig. Er besitzt eine sterbliche Persönlichkeit und einen unsterblichen Geistkern, aus dem sich durch ein spirituelles Leben einmal der geistige Mensch entwickeln kann.

Der Spruch „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ dient vor allem dazu, dass das Außen und Innen nicht verwechselt wird. Mit den Dingen dieser Welt kann Gott nichts anfangen und umgekehrt, die inneren, geistigen Werte sind nur für den  spirituellen Menschen bestimmt, nicht für das äußere Leben.

Jede Art spiritueller Entwicklung, auch das Schülertum in der Geistesschule des Rosenkreuzes, gründet sich auf geistige Gesetzmäßigkeiten. Sie sind in spirituellen Texten überliefert und werden durch die Erfahrungswerte von Menschen, die den Weg bereits in früheren Zeiten gegangen sind, untermauert.

Die Empfehlung, zum Beispiel Fleisch, Alkohol und Tabak zu vermeiden, bezieht sich auf die Reinigung des Körpers der Persönlichkeit. Die Geburt und das Wachstum der neuen Seele werden gefördert, wenn der Schüler sich bemüht, auf seine Gedanken und Gefühle zu achten und sich immer wieder in die Stille begibt. Um solch eine Lebenshaltung in der Praxis des täglichen Lebens aufrechtzuerhalten, benötigt der Schüler ein geistiges Fundament. Durch den Besuch von Tempeldiensten erhält der göttliche Funke im Herzen genügend gnostische Lichtkraft, um alle Prozesse der Transformation im Mikrokosmos durchzuführen zu können.

Im 3. Teil geht es um das „Gesetz des Herzens“.

Gesetze – Zwang oder Hilfe? (Spiritualität und Gesetz, Teil 1)

Die Welt ist voller Gesetze! Planeten ziehen ihre Bahn am Himmel. Die Schwerkraft lässt den Teller am Boden zersplittern. Der Magnet zieht an oder stößt ab. Das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Karma, lautet: Jede Tat hat Folgen. Und der Volksmund weiß: „Wer nicht hören will muss fühlen“. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

Weidendach

Es gibt keinen Lebensbereich, der nicht von Gesetzen, Regeln und Richtlinien bestimmt wird. Manche davon wirken universell, andere sind menschengemacht.
Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen den Gesetzen, die das irdische Leben regeln, und den Gesetzmäßigkeiten in der göttlichen Sphäre.

Der Mensch auf Erden braucht Gesetze, die ihn in eine Ordnung einbetten, ihm einen Rahmen und Halt geben. Er benötigt Leitlinien, damit er nicht völlig im Lebenskampf untergeht oder sich selbst auslöscht.

Die geistigen Gesetze dienen dazu, die Lebewesen der Schöpfung auf die nächst höhere Stufe ihrer Entwicklung zu führen. Sie garantieren, dass das geistige Potential des Menschen sich entfalten kann.

Dementsprechend spricht das Rosenkreuz in seiner Philosophie von zwei Naturordnungen: Die Gebiete des göttlichen Geistes und darin eingeschlossen, jedoch fundamental davon getrennt, das Diesseits und das Jenseits als die beiden Hälften der irdischen Welt.

In der Schule des Rosenkreuzes gibt es Vorschriften, Regeln und Richtlinien. Was ist für einen spirituellen Weg an Vorgaben grundsätzlich nötig und was kann nur individuell vom Schüler selbst entschieden werden? Das hängt von der jeweiligen Sichtweise ab! Was für den einen autoritär erscheint, ist für den anderen eine Hilfestellung. Hinzu kommt bei einigen die Neigung, sich selbst ein „Gesetzbuch“ vorzugeben, nach dem sie ihren Schülerweg gestalten.

Warum braucht die Menschheit überhaupt Gesetze? Weil seit Erscheinen des Menschen auf Erden sein Selbstbewusstsein stetig gewachsen ist und seine Individualität sich mehr und mehr ausprägt. Jede Kultur muss deshalb Regeln für das soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenleben der Gesellschaft aufstellen, will sie auf lange Sicht Bestand haben. Mittlerweile ist die Selbstbehauptung des Menschen so stark geworden, dass der dünne Kulturfirnis nur mühsam in der Lage ist, die Egozentrik der Menschen in Schach zu halten. Die Einzelheiten präsentieren uns die Medien jeden Tag.

Der Mensch unterliegt (neben den Naturgesetzen) drei Arten von Gesetzen.

  • Für die Persönlichkeit gibt es das Bürgerliche Gesetzbuch und die kulturellen Gepflogenheiten ihres Landes.
  • Die Seele des Menschen funktioniert nach energetischen Gesetzmäßigkeiten.
  • Der geistige Kern in der Mitte des Mikrokosmos reagiert auf gnostische Gesetze.

Das bedeutet, dass die jeweils herrschenden Gesetze eng an die Eigenschaften des Lebensraumes und die Eigenart seiner Bewohner gekoppelt sind.

Im 2. Teil geht es um innere und äußere Gesetze.

Kalender-Spruch November 2016

Science Fiction: Tür zum Himmel

„Wenn du die Tür offenlässt, kannst du sicher sein, dass jemand eintreten wird.“

(aus Afrika)

Wenn man sich in der Welt umschaut, wird deutlich, dass in jedem Land, in jeder Region  die Menschen ein anderes Verhältnis zu „ihrer“ Tür haben. In der Bambushütte unter Palmen ist die Tür nur ein Durchgang, woanders wird die Haustür geschlossen, aber nicht abgeschlossen. In Städten werden Türen abgeschlossen, teilweise mit Vorhänge-schlössern gesichert oder sogar mit einem elektronischen Sicherungssystem inklusive Alarmsignal versehen.

Vorsichtsmaßnahmen dieser Art haben den Sinn, sich vor Diebstahl und ungebetenen Gästen zu schützen. Die schlechten Erfahrungen vieler führen dazu, dass der Spruch Wenn du die Tür offenlässt, kannst du sicher sein, dass jemand eintreten wird nur negativ gesehen wird: Als Warnung.

Anderes dagegen beim „Tag der offenen Tür“, „Tag des offenen Denkmals“ und Ähnlichem. Hier wird eine Einladung ausgesprochen. Gäste werden gezielt aufgefordert, durch die offene Tür einzutreten.

Wenn man diesen Spruch auf die spirituelle Ebene bezieht, fungiert das Bewusstsein als Tür. Es bestimmt, wer oder was hindurch geht und den Menschen beeinflusst. Dabei wird das Gesetz der Anziehung und Abstoßung wirksam. Was der Mensch im Innersten begehrt, was bestimmend ist für sein Denken, Fühlen und Handeln – das wird durch die Tür eintreten. Alles andere wird abgestoßen. So hat jeder weitgehend in der Hand, was er abwehrt und was er einlädt.

Mit den übergeordneten Kräften des Schicksals verhält es sich im Prinzip ähnlich. Die Persönlichkeit, die im Mikrokosmos lebt, kann durch die Erneuerung der Seele und des Bewusstseinszustandes eine gewisse Autonomie erreichen. Störende Einflüsse können nicht so leicht in den Mikrokosmos eindringen, helfende Lichtkräfte dagegen werden hineingezogen. So ist langfristig die geistige Entwicklung gesichert – selbst wenn karmische Stolpersteine immer wieder das Vorwärtskommen auf dem spirituellen Pfad erschweren.

Die verborgene Tür zur Identität

Schäm dich nicht, Mensch zu sein, sei stolz!
In dir öffnet sich Gewölbe um Gewölbe, endlos.
Du wirst nie fertig, und es ist, wie es sein soll.“

aus: Tomas Tranströmer, Romanische Bögen

Der, der dies sagt, hat eine ihm bisher verborgene Tür zu seiner Identität als Mensch geöffnet und sein Bewusstsein schaut zum ersten Mal in die Gewölbe seines Mikro-Kosmos. Die Persönlichkeit ist die sterbliche Gestalt, die Erde, inmitten dieses kleinen Kosmos. Der Mensch steht da und schaut gleichsam in den Himmel seiner mikrokosmischen Kugel.

MenschDie alte Weisheit beschreibt den Himmel als ein siebenfach gestuftes Gewölbe. Ob ein Menschenleben ausreicht, all diese Weiten zu erforschen? In einem dieser Gewölbe sind die Spuren der unzähligen Erdenleben eingraviert, das Karma. Diese Spuren, konzentriert zu „Sternen“, senden ihre Lichtenergie in das Haupt der Persönlichkeit. So formen sie maßgeblich den Lebensweg des Menschen. Von diesem Bild wurde einstmals der Begriff Astro-Logie abgeleitet.

Am mikrokosmischen Firmament wartet außerdem noch eine verborgene geistige Sonne auf ihre Stunde, bis die Wolken der Gedanken und Gefühle in der Atmosphäre des Mikro-Kosmos weggefegt werden und der Geist die göttliche Seele wieder erleuchten kann.

Dann ist der ursprüngliche geistige Mensch wieder geboren – unsterblich und vollkommen, so wie er sein soll: ein göttliches Ebenbild, in dem sich sein Schöpfer spiegeln kann.

[Redaktion]

Kalender-Spruch August 2016

„Die Beharrlichkeit ist ein Talisman für das Leben.“

(aus Afrika)

Beharrlichkeit ist eine Eigenschaft, die im täglichen Leben selten geworden ist. Man möchte schnell und ohne große Anstrengung die anvisierten Ziele erreichen.   Wissenschaftler, Künstler, Sportler benötigen jedoch Beharrlichkeit, wollen sie erfolgreich sein. Und ebenso verhält es sich auch mit allen, die einen spirituellen Weg einschlagen.

Sterntaler
Sterntaler

Was ist ein Talisman? Es ist ein Gegenstand, der dem Besitzer Glück bringen oder ihn schützen soll. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Talisman Beharrlichkeit? Wie entsteht sie und wie kann man sie erlangen? – Beharrlichkeit wird dem strebenden Menschen geschenkt! Es ist die Sehnsucht der Seele nach der Verbindung mit dem göttlichen Geist. Sie ist die Antriebskraft, die dem Menschen einen langen Atem verleiht. Das starke innerliche Verlangen der Seele berührt immer wieder das Bewusstsein, so dass Zweifel verschwinden und der erlahmende Wille gestärkt wird. Genährt wird die neue Seele durch die Kraft aus dem Geistkern im Herzen des Menschen. Diese Energie ist der Garant dafür, dass das Ziel des spirituellen Weges erreicht wird – unabhängig von der Tagesform, von der guten oder schlechten Stimmung der Persönlichkeit.

Jeder Mensch besitzt diesen Talisman in seinem Wesen. Welch ein Glück!

Abschied vom Irdischen: Jan van Rijckenborgh über Astrologie

Viele spirituell arbeitende Menschen erkennen mehr und mehr, was sie verbindet. Bisher getrennt arbeitende Gruppen finden zusammen, tauschen sich aus, finden Anknüpfungspunkte. Doch es geht nicht um Einheitsbrei: Viele Wege führen zum Ziel, aber nicht alle Wege sind gleich. Es ist sogar ein wichtiges Kennzeichen der Zusammenarbeit, dass die Gruppen sich ihrer spirituellen Identität immer klarer bewusst werden.

In diesem Sinne möchten wir ein Zitat von einem der Gründer der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes vorstellen, das einen Aspekt des Selbstverständnisses zeigt und gleichzeitig den Entwicklungsprozess der Schule des Rosenkreuzes schildert:

„Es gibt eine Wissenschaft, die Sie kennen, entweder nur dem Namen nach oder aus Erfahrung. Diese Wissenschaft wird heute Astrologie genannt. In der Vorzeit stand sie bei einigen Völkern in hohem Ansehen. Mit Hilfe dieser Wissenschaft kann man feststellen, auf welche Weise die magnetischen Strahlen des Makrokosmos und Mikrokosmos in der Persönlichkeit wirken. Von dieser Wissenschaft geht unverkennbar eine große Verlockung aus, diese Wissenschaft beschreitet tatsächlich Sternenwege. Wir haben sie jahrelang persönlich ausgeübt. Fünfzehn Jahre lang wurde sogar Unterricht darin erteilt, und unsere Schüler wurden darüber belehrt, wie sie im Netz des Schicksals hängen, dass sie Gefangene sind, dass jeder Tag, ja jede Stunde ihres Lebens von den magnetischen Strahlen und ihrer Zusammensetzung bestimmt wird. Es wurde aufgezeigt, wie man das exakt feststellen und die Folgen sogar im Voraus wissen kann. Aber als sie das gut wussten und erfahren hatten und die Bestürzung über diese zügellose, magnetische Gewalt erlebt hatten, ging es um die Konsequenzen.

War die Konsequenz dieser Wissenschaft: ‘Wie verhalte ich mich als Gefangener im Netz des Schicksals? Wie verhalte ich mich in der Heimsuchung der magnetischen Strahlen? Wie fange ich ihre Schläge auf? (…) Wie winde ich mich am vorteilhaftesten im Netz? Wie kann ich den besten Gebrauch davon machen, um mich durchs Leben zu schlagen, bis der Tod der Verbrennung darauf folgt?‘

UniversumOder sollte die Konsequenz sein: ‘Wie reiße ich mich aus dem Netz des Schicksals los? Wie komme ich zu einem befreienden Leben, in dem die Spinne des dialektischen Lebens mich nicht mehr aussaugt?‘

War die Konsequenz: ‘Wie folge ich mit Hilfe dieser Wissenschaft meinem Todesgang auf dem Fuße?‘ Oder sollte es so sein: ‘Da ich nun das Fatum gesehen und die Medusa angestarrt habe, nehme ich Abschied von dieser Wirklichkeit des Todes, um sie gegen die Wirklichkeit eines neuen Lebensganges einzutauschen?“

(Das Nykthemeron von Apollonius von Tyana, Siebente Stunde,
erklärt von Jan van Rijckenborgh)

In diesem Zitat wird ein Stück Geschichte der Internationalen Schule des Goldenen Rosenkreuzes deutlich. Ihre Identität veränderte sich im Lauf von einigen Jahrzehnten von der Persönlichkeitsschule zur Seelenschule und weiter zur Geistes-Schule.

Der Wandel von der Persönlichkeitsschule zur Seelenschule vollzog sich vom Gründungsjahr 1924 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Ab 1945 verlagerte sich der Akzent immer stärker auf den Aufbau einer Geistes-Schule. Wie lässt sich solch eine Entwicklung erklären?

In der Arbeit der Universellen Lichtbruderschaft gibt es unterschiedliche Akzente.

Es gibt Persönlichkeitsschulen, Seelenschulen und Geistesschulen, die auf unterschiedliche Weise arbeiten und in denen unterschiedliche Menschen angetroffen werden. Jeder Mensch steht auf seinem kosmischen Erfahrungsweg an einem bestimmten Punkt der Entwicklung und hat unterschiedlich viele spirituelle Werte in seinem Wesen angesammelt. Diese geistige Reife erzeugt letztlich die Resonanz, die ihn in seinem irdischen Leben zu einer der drei Schulen hinzieht.

Ziel dabei ist es, die Menschen zu einer nächst höheren Bewusstseinsstufe zu führen. Den Übergang von einem Bewusstseinszustand zum nächsten in einer solchen Schule nennt man Einweihung.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum es solch eine Vielzahl unterschiedlicher spiritueller Gruppen gibt. Jeder geistig strebende Mensch erhält dadurch die Möglichkeit, seinen geistigen Wachstumsprozess in einer ihm angepassten Weise fortzuführen.

Die Geistes-Schule oder Mysterienschule des Rosenkreuzes konnte entstehen und sich entwickeln, weil eine genügend große Menschengruppe eindeutig auf die Verbindung von Seele und Geist ausgerichtet war und ihr Verlangen intensiv genug nach dieser Erfüllung verlangte. Dadurch konnten die Diener der Bruderschaft der unsterblichen Seelen bei diesem Feuer anknüpfen und eine Verbindung zu der werdenden Geistesschule herstellen. In ihr entstand ein mächtiges Kraftfeld, das bis heute wie ein alchemischer Feuerofen der Transformation wirkt, in dem, bildhaft gesprochen, unedle Metalle in Gold verwandelt werden.

[Redaktion]

Zum 5. Seminarteil: Die Bedeutung der Persönlichkeit

Januskopf
Januskopf

„Lässt ein Mensch aber die geistige Welt in sich zu und erkennt sie als das Absolute, so kommt alles Natürliche an seinen richtigen Platz, wird neu geordnet und wird zum Ausdruck des Geistigen“.

Quelle: Gnosis als innerliche Religion, DRP Verlag 1997, Kristallreihe Nr. 5

Der fünfte Teil des Online-Seminars behandelt die Bedeutung der Persönlichkeit. Hier finden Sie weitere Blog-Beiträge zum Stichwort Persönlichkeit.